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PETA-Präsidentin fordert Todesstrafe für Löwen-Jäger

Der Fall des, durch den Trophäenjäger Walter P. getöteten Löwen „Cecil“, aus dem Hwange-Nationalpark in Simbabwe, sorgt aktuell für heftige Reaktionen. Nun forderte die Präsidentin der weltweit größten Tierschutzorganisation PETA (USA), Ingrid Newkirk, in einem kurzen Statement 1 zu diesem Vorfall, der Jäger solle „ausgeliefert, angeklagt und vorzugsweise gehängt“ werden.

Jäger hängen

Das Vorgehen des Großwildjägers wie auch die Jagd im Allgemeinen sind zu verurteilen. Jedoch rechtfertigt dies weder Rufe nach der Todesstrafe noch Morddrohungen, wie sie der Täter laut der Süddeutschen Zeitung aktuell erhält. Die Berichterstattung der Schwesterorganisation PETA Deutschland gibt sich an dieser Stelle zunächst sehr viel sachlicher.

Die satirische Facebook-Seite „Justveganthings“ kommentierte die Äußerung Newkirks mit diesem Bild:

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Auf unsere Anfrage, zu der Forderung der PETA-Präsidentin Ingrid Newkirk, den Jäger zu „hängen“, teilte uns PETA Deutschland schriftlich mit:

„Bitte verstehen Sie die Äußerungen von Frau Newkirk nicht wörtlich. Niemand denkt wirklich, sie hätte damit gemeint, man sollte den Mann erhängen. Wir sind aber durchaus der Ansicht, dass er für sein unfassbares Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden sollte. Dieser Mann ist ganz offensichtlich ein Serienmörder; er hat die Behörden angelogen und einen im Grunde zahmen Löwen erschossen, von dem 24 Jungtiere abhängig sind. Dieser Löwe litt 40 Stunden lang schreckliche Qualen, von einem riesigen Stahlpfeil durchbohrt. Die Menschen sind zurecht wütend, wenn der Mann ungeschoren davonkommt.“

PETA Deutschland vertritt hier die Ansicht, dass die Formulierung „perferably, hanged“ keine Forderung nach der Todesstrafe sei. Warum diese Formulierung, die in Deutschland einen Straftatbestand darstellt2, gerade in diesem Zusammenhang nicht wörtlich zu verstehen sei, erklärt die Tierschutzorganisation nicht. Mit Blick auf die zahllosen Gewalt- und Tötungsphantasien, die zu diesem Thema in den letzten Tagen in sozialen Netzwerken auftauchten, erstaunt es, dass laut PETA angeblich „niemand wirklich“ denke, „sie hätte damit gemeint, man sollte den Mann erhängen“. Um zu verdeutlichen, wie die Aussage Newkirks verstanden wird, haben wir eine kleine Auswahl der Kommentare zusammengestellt, die uns unter der ersten Version dieses Artikels erreichten:

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In einem Statement auf der Facebook-Seite von PETA Deutschland unter der Überschrift „Kein Bock auf Nazis!“ ließ die Organisation vor zwei Wochen verlauten:

„Wir möchten an dieser Stelle noch einmal deutlich machen, dass wir rassistische Ansichten derartiger Gruppen grundsätzlich ablehnen. Es ist traurig, dass Rechtsextremisten inzwischen das Thema Tierrechte als Deckmantel benutzen, um ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten.“3

Wenn PETA hier das Wort „inzwischen“ gebraucht, lässt die Tierschutzorganisation damit erahnen, in welchem Umfang es intern an Kompetenzen zu diesem Themenfeld mangelt. Das Thema „Tierschutz“ ist bereits seit der Machtergreifung Hitlers ein fester Bestandteil nationalsozialistischer und später neonazistischer Agitation.4 Die Aussage Ingrid Newkirks bedient neonazistische Tierschutz-Rhetorik, welche stark auf den Hass sowie die Gewalt- und Tötungsphantasien gegen die Täter*innen fokussiert. Insbesondere die Forderung, besonders grausame Verbrechen mit dem Tod zu bestrafen, ist eine bekannte rechte Kommunikationsstrategie, die sich in Kampagnen wie „Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder“ oder „Todesstrafe für Kinderschänder“ zeigt. Bereits mit der Kampagne „Holocaust auf ihrem Teller“, die aufgrund des Straftatbestandes der „Volksverhetzung“(§130 StGB) gerichtlich verboten wurde, machte sich die Tierschutzorganisation in der Vergangenheit anschlussfähig für neonazistisches Gedankengut. Die Verharmlosung des Holocaust über Vergleiche mit anderen Verbrechen gehört zum Standardrepertoire neonazistischer Ideolog*innen seit 1945.

Beispielbild aus einem Onlineshop

Beispielbild aus einem Onlineshop

PETA wandelt hier wiederholt auf den Pfaden einer Zielgruppe, von der sich die Organisation nach eigener Verlautbarung distanzieren will. Mordphantasien, Hate Speech und Forderungen nach Todesstrafen werden durch PETA Deutschland bagatellisiert. Menschenfeindliche Forderungen, die ihre Finger nach dem Mittelalter ausstrecken, werden zu Metaphern verklärt, welche sich nach dem Selbstverständnis der Organisation allein durch die Wut rechtfertigen, die Menschen in Anbetracht solchen Tierleids empfinden. Wenn PETA wirklich „Kein Bock auf Nazis!“ hat, dann liegt viel Arbeit vor dieser Organisation, die sich auch zwei Wochen nach ihrem Statement gegen Rechts genauso anschlussfähig für rechte Ideologien zeigt wie zuvor.

Update 31.07.2015

In einem Interview mit dem US-amerikanischen Sender Fox-News5 erklärte Ingrid Newkirk nun, sie habe ihre Forderung nicht wörtlich gemeint. Gleichzeitig sagte sie bezogen auf den Jäger:

„Letztlich ist er ein Mann der wirklich mehr Schaden anrichtet als er Gutes mit seinem Leben anfängt, aber es steht mir nicht zu, zu entscheiden ob er nicht gehen soll.“ („So he’s a man who is really doing more harm than good with his life, but it’s not for me to say he shouldn’t go.“)

Damit lässt sie die Todesstrafe als Option weiter offen. Weitere Pressemeldungen zeigen, dass diese Newkirks Äußerungen ebenfalls „wörtlich“ verstanden haben.6 Vor dem Hintergrund, dass der betreffende Text nach wie vor unkommentiert und unverändert auf der Website von PETA steht, liegt es nahe, dass es sich hier um eine bewusste Provokation zu PR-Zwecken handelt. Dass die Organisation damit für die archaische Praxis der Todesstrafe wirbt und einmal mehr ihre Anschlussfähigkeit für menschenfeindliche Ideologien unter Beweis stellt, scheint für PETA unproblematisch.

Artikelbild 7


  1. http://www.peta.org/media/news-releases/peta-statement-zimbabwes-beloved-lion-cecil-gunned-down-by-american-dentisthunter/
    https://archive.is/NXnHC 
  2. http://dejure.org/gesetze/StGB/111.html 
  3. https://www.facebook.com/PETADeutschland/posts/10153545199658643?fref=nf
    http://abload.de/img/keinbockaufnazis01coreo.jpg 
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Tierschutz_im_Nationalsozialismus
    http://www.basisgruppe-tierrechte.org/Texte/trk04_antisemitismus.pdf
    http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/neue-broschuere-zu-nazis-und-tierschutz-8562
    http://www.tvg-saar-vegan.de/literatur/colin-goldner/nazis-und-tierrechte/ 
  5. http://radio.foxnews.com/2015/07/29/newkirk-cecil-the-lions-killers-acted-as-if-they-were-isis/
    COLMES:  Sie haben kürzlich eine Stellungnahme abgegeben, in der es heißt, dass er ausgeliefert, vor Gericht gestellt und vorzugsweise erhängt werden solle.
    (
    You’ve actually come out with a statement saying that he should be extradited, tried and preferably hanged.)

    NEWKIRK: Also, Sie wissen ja wie das ist, wenn jemand sagt „ich denke, dieser Mensch sollte außer Gefecht gesetzt und erschossen werden“? Ich meine das nicht im wörtlichen Sinne, allerdings ist er ein Serienmörder und ihm sollte der Prozess gemacht werden. Ich weiß nicht, ob die Möglichkeit besteht, dass er ausgewiesen wird, aber wir sind es einfach Leid, dabei zuzusehen, was diese Trophäenjäger tun, die aus Europa und den USA kommen, mit viel Geld vor den Gesichern von Menschen herumwedeln, für die Geld einen hohen Stellenwert hat. Dann machen sie diese schrecklichen Touren in die Steppe oder den Dschungel oder wohin auch immer sie gehen und vernichten die Tier- und Pflanzenwelt. Daher sollte er mit mehr als Geld bezahlen, er sollte mit seinem Ruf bezahlen und ich denke auf jeden Fall auch mit einer Gefängnisstrafe, wie vermutlich auch seine zwei Begleiter es tun werden.
    (
    Well you know how someone says I think that person should be taken out and shot? I don’t really mean it literally but he is a serial killer and he should stand trial. I don’t know if there’s a means to extricate him but we’re really tired of for seeing what these trophy hunters do, who come over from Europe and the U.S. and they wave a lot of money in the faces of people who, that money means a lot to them.  Then they take these awful trips out into the veld or into the jungle or whatever they choose to go and blast wildlife to pieces.  So he should pay something more than money, he should pay in his reputation, and I think in jail time certainly as probably the other two that were with him will.
    )
    COLMES: Wenn ich das richtig verstanden habe, wurden sie bereits in Zimbabwe inhaftiert, er nach unserem Kenntnisstand jedoch nicht. Also haben sie nicht wörtlich gefordert, dass er gehängt werden soll?
    (Well, they’ve already been as I understood arrested in Zimbabwe, he’s been NOT arrested as far as we know. So you didn’t literally mean he should be hanged?)
    NEWKIRK: Nein das nicht, ich denke, dass sich viele von uns wünschen, dass er nicht am Leben wäre, weil er jeden Moment seine Freizeit dafür zu verwenden scheint, rauszugehen und seiner Lust am Töten nachzugehen. Das was er tut, diese perversen Vorlieben, bringen einen aus der Fassung. Warum er keinerlei Respekt vor der Tier- und Pflanzenwelt hat, keinerlei Mitgefühl für andere Lebewesen und so weiter. Letztlich ist er ein Mann, der mehr Schaden anrichtet als er gutes mit seinem Leben anfängt, aber es steht mir nicht zu, zu entscheiden ob er nicht gehen soll.
    (No I mean, I think a lot of us wish that he wasn’t alive because he just seems to spend every moment of his free time going out and getting the thrill of killing and that makes you a little bit disconcerted to what kind of perversion he fancies here, what he’s doing. Why he would not have any respect for wildlife, not have any compassion for other living beings and so on. So he’s a man who is really doing more harm than good with his life, but it’s not for me to say he shouldn’t go.“) 
  6. http://www.rp-online.de/panorama/ausland/walter-palmer-peta-will-loewe-cecil-jaeger-am-liebsten-haengen-aid-1.5274632
    http://www.berliner-kurier.de/panorama/zahnarzt-toetete-cecil-tierschutzorganisation-peta-fordert-todesstrafe-fuer–loewenkiller-,7169224,31354798.html
    http://www.washingtonpost.com/news/morning-mix/wp/2015/07/30/peta-calls-for-walter-palmer-to-be-hanged-for-killing-cecil-the-lion/
    http://www.huffingtonpost.co.uk/2015/07/29/peta-want-american-lion-killer-walter-palmer-hanged_n_7892770.html 
  7. Das Artikelbild zeigt den Löwen Cecil. Foto: Vince O’Sullivan CC BY-NC 2.0 

12 Kommentare

  1. brainpower

    Schämen Sie sich, Frau Präsidentin,

    Es gibt Gesetze und nach denen wird der Mann hoffentlich bestraft. Die Todesstrafe ist für KEIN Verbrechen angemessen.

    PETA Deutschland – ihr könnt euch da nicht herausstehlen. Entweder ihr distanziert euch eindeutig und ein für allemal von der „Mutterorganisation“, indem ihr euren Namen ändert und alle Beziehungen abbrecht oder ihr zeichnet für diese Aussage mitverantwortlich.

    Da der Ruf eurer Organisation ohne bereits erheblich gelitten hat, könnt ihr euch eigentlich keine weiteren Skandale leisten.

    • Kesting

      Wie kann sich PETA Deutschland distanzieren wenn die erste Vorsitzende Ingrid Newkirk heißt. Da nützt auch ein umbenennen nichts.
      Die Forderung ist nun mal international Sittenwidrig und diese Frau sollte sich entschuldigen.

      Nichtsdestotrotz ist das Verhalten dieses Zahnarztes zu verurteilen und es sollte bei der Vorgeschichte die Waffen und der Jagdschein eingezogen werden. An eine Auslieferung kann ich nicht glauben, da es die U.S. sind.

  2. Annemarie Weise

    Es war einfach eine emotionale Reaktion der Tierschutzvorsitzenden. Welcher Tierfreund kennt nicht derartige, emotionale Reaktionen auf hässliche tierquälerische Ereignisse? Es war m.M. kein Votum für die Todesstrafe im Allgemeinen. Und selbst wenn es einer war, ist es für mich durch das Prinzip der Meinungsfreiheit gedeckt. Es zeigt nur den Zorn und die Betroffenheit der Frau. Basta!

    • Indyvegan

      Da dieser Text noch immer online ist, greift die These, dass es sich eldiglich um eine emotionale Kurzschlussreaktion gehandelt haben soll, nicht.
      Als Präsidentin hat sie große Verantwortung, die sie hier definitiv nicht wahrgenommen hat.

      „Es war m.M. kein Votum für die Todesstrafe im Allgemeinen.“

      Wie weit die Forderungen von Ingrid Newkirk gehen, wissen wir nicht. Wir haben auch nicht behauptet, dass sie diese Forderung allgemein stellen würde. In Anbetracht milliardenfache Fälle von Tierausbeutung, -quälerei und -tötung auf der Erde müssen wir jedoch davon ausgehen, dass es eine Großzahl weiterer Fälle gibt, für die Newkirk eine solche Forderung aufstellen würde.

      „Und selbst wenn es einer war, ist es für mich durch das Prinzip der Meinungsfreiheit gedeckt.“

      Zu fordern, eine Person möge gehängt werden ist mindestens mal in Deutschland nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Doch auch wenn das nicht der Fall wäre, wäre das kein Argument. Die Ausbeutung und Tötung von Tieren ist in Deutschland ebenfalls rechtlich legitimiert und deshalb nicht richtiger.

      Wenn Ingrid Newkirk die Todesstrafe fordert, dann ist das nicht nur ein Ausdruck davon, dass PETA USA seinen Sitz in einem US-amerikanischen Bundesstaat mit den drittmeisten meisten vollstreckten Todesstrafen (110) in den USA hat, sondern auch, dass sie das was sie vertritt und wofür sie kämpft im Kern nicht verstanden hat.

    • Oivlis

      § 111 (1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3 StGB) zu einer rechtswidrigen Tat auffordert, wird wie ein Anstifter (§ 26 StGB) bestraft.

      Diese Aussage ist nicht durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt, sondern ein STRAFTATBESTAND. Basta!

  3. Augenzeuge

    Ernsthaft? Ihr regt euch lieber ueber Menschen auf die ihr Leben dem Erhalt dieser Welt widmen als ueber die, die sie lediglich zerstoeren? Ihr macht mich traurig.

    • Indyvegan

      Wir regen uns nicht auf, wir kritisieren. Einen Erhalt dieser Welt der die eine Spezies schützt und Todesstrafen für die andere fordert, ist keine Veränderung, sondern nur eine Umwidmung der aktuellen Situation. Kein Engagement für Tiere, die Umwelt oder Menschen rechtfertigt soetwas wie Forderungen nach Todesstrafen. Die Zukunft liegt nicht im Mittelalter.

  4. Othmar

    Waere es nicht so unglaublich muesste ich immer Lachen wen ich lese „Der belibteste Loewe Zimbabwe’s.“ Tatsache ist das kein Mensch in Zimbabwe diesen Loewen kannte. Sogar Regoerungsmitglider, darunter der Minister fuer Natur und Wildschutz, hatten keine Ahnung um was fuer einen Lowen es geht.

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