Kommentare 7

Kritik & Handlungsalternativen für Facebook-Folterphantasie-Fans!

Im folgenden Gastbeitrag von Mono (Kreaktivisten)
geht es um die Kommentare unter den Fotos misshandelter Tiere, wie man sie sehr häufig auf Tierschutzseiten findet.

Inhaltswarnung für die Originalversion unseres Artikelbildes: Explizite Gewaltphantasien und Rassismus!


 

Mein Gott wie mich diese ganzen Tierschutz-Faschos1 ankotzen! Ja es ist die traurige Realität, dass Tiere nicht nur in Zusammenhang mit industrieller Ausbeutung, sondern auch durch Sadist*innen, Tierhasser*innen oder einfach durch Vernachlässigung und Überforderung oder aus anderen Gründen massiv gequält oder getötet werden. Das ist schlimm, keine Frage. Mitleid oder Verständnis für die Täter*innen aufbringen – ich gebe zu, das fällt schwer und ist in großen Teilen auch mir nicht möglich. Die Taten verachten, verurteilen – klar! Es alles besser wissen? Eine oft automatische Reaktion, auch eine nicht unverständliche.

Darauf beschränken sich aber die hier benannten „Tierschutz-Faschos“ leider nicht. Die Top-Reaktionen, die sich täglich unter solchen Links zu Artikeln finden, in denen meistens nicht über Gerichtsurteile, sondern über Gräueltaten oder wilde Verdächtigungen berichtet wird:

  1. Beteuerungen, dass „heutzutage“ viel mehr „Wahnsinnige“ unterwegs seine als jemals zuvor und, dass „ja jeder mit Tierquälerei davon kommt“
  2. Aufrufe zu Gewalt, sexueller Gewalt, V*rg*w*lt*g*ng, Körperverletzung und Mord
  3. Drohungen und „Wenn ich den in die Hände bekomme, dann…“
  4. Systematische Hetze gegen Menschen mit psychischen Erkrankungen
  5. Sekündliches erstellen sinnloser Onlinepetitionen (ohne Inhalt, Sinn, Zweck, Adressat*innen) für „Tierschänder raus aus Deutschland“ oder ähnlich unreflektierten Brei
  6. Nochmal Aufrufe zu Mord und V*rg*w*lt*g*ng, detaillierte Folterphantasien
  7. Geflenne, dass die deutsche Gesetzgebung in jeder Hinsicht zu lasch sei und Täter wie „Tier- und Kinderschänder“ ja NIE bestraft würden, ja jede_r Falschparker_in erhalte höhere Strafen (okay, im Falle von Zoophilie könnte das zutreffen, denn diese gilt in D nur als Ordnungswidrigkeit – leider. Auch andere Delikte von Tierquälerei enden nur allzu oft in Verfahrenseinstellungen)
  8. Geschrei, dass ja mal wieder „Täterschutz vor Opferschutz“ käme..(meist als Reaktion auf die Bitte, von Gewaltkommentaren abzusehen)
    und abschließend natürlich
  9. Wilde Prognosen, dass „der Richter dann ja nichts macht“ (im Fall von Tierquälerei leider auch oft tatsächlich der Fall) meist aber leider verbunden mit dem verächtlichen Verweis darauf, dass psychisch kranke Täter_innen „ja nur in die Klapse/Luxusklinik“ kämen, dabei wäre ja klar, dass „so jemand keine Therapie verdient hat“ – in so einer Diskussion haben plötzlich alle ein Diplom in Psychologie und sind mindestens qualifiziert zum*zur Richter*in am Bundesverfassungsgerichtshof.

Menschenrechte Adé! Dass es sich bei sehr vielen dieser Artikel, auf den sich die „Tierschutzmuttis“ und „-vatis“ beziehen, nicht mal um Berichte über Verurteilungen, sondern lediglich Berichte2 über Taten oder Mutmaßungen handelt, ist den Fans der Facebook-Folterphantasien meist latte.

Bedeutet das nun, dass „man sich gar nicht mehr ärgern darf“ oder, dass man „alles was passiert verstehen/entschuldigen muss“ – nein das denke ich nicht, im Gegenteil.3 Ärgert euch, seid wütend, seid entsetzt – aber lasst bitte von Heuchelei ab. Tiere schützen, Menschen vorsätzlich foltern, v*rg*w*lt*g*n, töten?

„Was ist deine Rolle in dem Spiel?“

Am meisten nervt mich an dem ganzen Rummel immer das Geseiere von „da sieht man mal wieder, dass in Deutschland der Täterschutz vor Opferschutz kommt!!!einself!“ An all diese Menschen mal eine Frage: Was ist deine Rolle in dem Spiel? Bei jeder dieser Meldungen finde ich in Tierschutzforen hunderte, teilweise tausende Kommentare die den Fokus auf die Täter-Person lenken, was man ihr wünscht, was sie verdient, was ihr drohen sollte. Hunderte Menschen scheinen sich unendlich viele Gedanken darüber zu machen wie sie die Welt (in ihren Augen) gerechter machen könnten indem sie ausgeklügelte Rache-Szenarios oder Schwachsinns-Petitionen entwerfen, oder eben rummaulen, dass ja nie jemand an den Opferschutz denke.

Und von all diesen hunderten Menschen habe ich fast noch nie einen gelesen, der selber mal einen Gedanken daran verschwendet hätte, wie er_sie denn im ganz konkreten Fall zum „Opferschutz“[^4] beitragen könnte, anstatt den Fokus um die Täterperson weiter zu hypen.

Helfen

Wilde Idee: Man könnte den (konkreten) Opfern von solcher Gewalt, also den Tieren, Menschen oder den für das betroffene Tier verantwortlichen Menschen einfach helfen. Wie?

  • Freundliche Worte
  • Geldspenden für Therapie
  • medizinische Behandlung und Rechtshilfe
  • aktive Hilfe vor Ort
  • oder einfach mal anfragen: Kann man euch helfen?

Viele Tiere, die Opfer von Gewalt wurden und gerettet werden konnten, kommen anschließend in Tierheimen, auf Lebenshöfen unter, wo noch sehr lange Zeit ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden muss. Unterbringung, Transport, Therapie, Anwalt – alles muss gezahlt werden und wenn man halt keine Kohle zum Spenden hat, freuen sich die Helfer*innen wahnsinnig über eine motivierende Mail, freundliche Worte oder einfach ein:

„Toll, dass ihr das macht – Danke!“

Für jedes blöde, verächtliche, Arschloch-Hassposting würde ich mir wünschen, dass jemand ein nettes Posting bei einer Tierheim-/Lebenshofseite seiner*ihrer Wahl hinterlässt. Das würde nämlich die Welt vermutlich aktiv etwas netter machen, den Fokus auf die Leute lenken, die versuchen etwas Gutes zu tun und den Blick für das Wesentliche etwas öffnen – denn Hass-Postings gegen Täter*innen führen einfach mal ins Nichts. Weder ein*e Sadist*in noch ein überforderter „Tiermessi“ oder andere Menschen, deren Schuldfähigkeit oder Wahrnehmungsfähigkeit – durch Krankheit oder was auch immer – eingeschränkt ist, werden sich eure Kommentare zu Herzen nehmen (können) – oder überhaupt von ihnen Kenntnis nehmen. Letztendlich dient das zur Schau stellen eures hasstriefenden Entsetzens niemandem als eurer eigen Selbstbeweihräucherung, damit auch der_die letzte sieht, was ihr für tolle Tierschutzottos seid.

Kritiken & weiterführende Anmerkungen und Betrachtungen zum Thema

Unsere Kritik wird an diesem Punkt oft nur oberflächlich oder verkürzt verstanden. Unsere Aussage ist nicht, dass sich nur beschweren darf, wer auch sonst Hunde im Tierheim Gassi führt, sondern dass der Akt des „Hunde im Tierheim Gassi führens“ keine Rechtfertigung oder Entschuldigung oder ein Freischein dafür ist, solche ekelhaften Aussagen auf Facebook zu machen. Manche denken das nämlich. True story!

Abschließend möchte ich noch einen Punkt erwähnen, der erst nach dem Verfassen dieses Artikels nochmal aufkam, dank eines aufmerksamen Lesers, der ein Feedback dazu formulierte:

„Ich finde den Blick auf Täterinnen und Täter dennoch nicht grundsätzlich falsch. Wie sieht im konkreten Fall der Umgang mit der Täterin aus, welche gesellschaftlichen und rechtlichen Möglichkeiten werden angewendet (um andere, aber auch sie zu schützen)? Wegsperren? Zwangstherapieren? Isolieren? Meines Erachtens wird Gewalt, die ein Individuum ausübt, in der Regel anders wahrgenommen als die Gewalt, die das Kollektiv als notwendig und nützlich definiert und/oder von dem das Kollektiv profitiert.“

Und da hat er natürlich Recht. Ein solcher Blick auf die Situation der Täter-Person erscheint durchaus sinnvoll, berechtigt und fair. Was passiert mit Täter*innen, was darf und darf nicht passieren, welcher Umgang ist für alle Seiten konstruktiv? Tatsache ist, dass ein „Wegsperren“ aller Personen, die nicht im Einklang mit gesellschaftlich akzeptierten Handlungs- und Verhaltensweisen stehen (oder die Gesellschaft und/oder Einzelnen schaden)  niemals eine Lösung, schon gar keine Nachhaltige sein kann und daher das Problem sogar noch verstärken kann.

Menschen mit psychischen Erkrankungen

Auch ist es mir wichtig noch einmal darauf zu verweisen, dass mich persönlich die  Hetze/Stigmatisierung gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen anwidert. Natürlich ist nicht jeder Mensch, dessen Handlungen tierquälerisch sind tatsächlich psychisch erkrankt. Ich vermute zumindest, dass nicht jede Mastanlagen-Arbeitskraft ernstlich psychisch erkrankt ist. Und selbstverständlich führt nicht jede psychische Erkrankung zu Gewalttaten gegen Andere! Genauso soll dies nicht bedeuten, dass schadhafte Handlungen psychisch erkrankter Menschen gegen Andere entschuldigt oder „verstanden“ werden müssen. Doch gerade in Facebook-Kommentaren, in denen die Zielscheibe eine Person ist, die – zumindest laut Bericht – psychisch erkrankt ist, werden einfach widerliche Ressentiments, komplett bescheuerte und unzutreffende, verletzende, undifferenzierte und verachtende Kommentare gegenüber Menschen mit Erkrankungen offensichtlich, sowie ein vollkommenes Unverständnis hinsichtlich Therapiemethoden und eine vollkommen verschrobene Wahrnehmung zum Thema „Unterbringung in geschlossenen psychiatrischen Kliniken“.

Die „Psychiatrie“ wird als ungerechte „Luxusalternative mit Zimmerservice und Whirlpool“ zum Gefängnis gesehen. Der Verdacht, dass Menschen psychische Erkrankungen vorspielen um in diesen „Genuss“ zu kommen wird regelmäßig unterstellt. Auch das finde ich verachtend!

Psychische Erkrankungen können jeden Menschen treffen und sind für die Betroffenen oft schon an sich fast eine „Strafe“ – dann zu erzählen, dass man „solche Perversen abschlachten sollte, weil ja jeder weiß, dass Therapien sinnlos sind“ oder ähnliche küchentischpsychologische Schlüsse sind einfach grenzenlos arrogant. Ebenso ignorant bis arrogant ist die Idee, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen, die andere schädigen, ihr Recht auf Menschenrechte verwirkt hätten.

Wie gesagt, ich erwarte von niemandem Verständnis für solche Taten oder Täter*innen aufzubauen, ich erwarte aber von den Menschen, dass sie sich zurückhalten, den großen Richter spielen zu wollen und sich anzumaßen „das alles voll zu durchblicken“ und das auf Basis eines 5-Zeiligen Medienberichts.

„ich erwarte von niemandem Verständnis für solche Taten oder Täter*innen“

Gerade in diesem Zusammenhang mache ich immer wieder folgende absurde Beobachtung: Kritiker*innen von Gewalt-/Rachepostings werden als „Tätersympathiesant_innen“ identifiziert und somit direkt als „Tierhasser*in“ und letztendlich mit der Täterperson auf eine Ebene gestellt. Läuft dann etwa so ab:

„Alle Tierschänder sollten selber v*rg*w*lt*gt und erhängt werden“ – „Sorry, aber so ein Aufruf zu V*rg*w*lt*g*ng und Mord ist total daneben“ – „ACHJA? Du findest also gut was das perverse Schwein gemacht hat? Wahrscheinlich bist du selber so eine*r!“

Alles klar! Mal eingeständnishalber – wenn ein Mensch „(m)einem“ Tier was tun würde, oder meinen Freund*innen – ob staatlich oder institutionell legitimiert (Polizeigewalt, Abschiebungen…) oder illegalerweise – ich würde zur Furie und wenn nötig würde ich mich nicht nur verbal dafür einsetzen, dass meinen (menschlichen und tierischen) Freund*innen nichts geschieht. Schon allein deshalb kann und würde ich mich nicht als Anhängerin des „Gewalt ist aber niemals legitim“-Geschwafels einordnen.

Gewalt kann sogar Leben retten und meiner persönlichen Meinung nach, kann es auch legitime Gewalt geben (Tür eintreten um Lebewesen zu retten, nur mal als ein Beispiel) und ich verstehe auch den Frust und die Wut gegenüber unwirksamen „rechtsstaatlichen“ Mitteln, denn es ist kein Geheimnis, dass allein unter Berufung auf selbige, manchmal Schlimmeres nicht verhindert wird. Die meisten Formen der (Tier)ausbeutung und Gewalt gegen Lebewesen sind gesetzlich legitimiert, institutionalisiert und strukturell. Verstöße gegen Verordnungen zum Schutz von Tieren werden kaum verfolgt, selten sanktioniert, die wenigen existierenden „rechtsstaatlichen“ Mittel erweisen sich als wenig wirksam.

Ich verstehe die Wut, wenn jemand auf den Verweis, dass die Kettenhaltung auf dem Nachbarshof seit Jahren erwiesenermaßen illegal existiert und von den Behörden dennoch geduldet wird, die Antwort bekommt: „Na mach doch ’ne Petition“. Ich spüre die Wut und diese Ohnmacht oft genug selber. Doch Gewalt zum Schutz konkret gefährdeter Lebewesen (Kette durchschneiden, Hund mitnehmen) ist einfach noch einmal eine andere Sache, als Rachephantasien gegenüber Täter-Personen nach einer Gewalttat.

„Könnte es nicht auch dich treffen?“

Selbstjustiz als systematische Lösung zu legitimieren, öffnet Türen für so viel ungeahnte Scheisse, dass es den Verfasser*innen dieser Forderung die Fußnägel hochrollen müssten. Allein darüber gibt es vermutlich ganze Bibliotheken voller Literatur, deren Inhalt und Argumentationsstränge ich hier nicht wiedergeben könnte. Aber nur mal ein Denkanstoß: Könnte es nicht auch dich treffen?

Jeden kann es treffen, Gewalttaten und der Tierquälerei beschuldigt zu werden – zur falschen Zeit am falschen Ort? Ziemliche Ähnlichkeit zu der Täter*innen-Beschreibung, die auf Facebook kursiert? Deine Nachbar*innen hatten dir gegenüber schon immer so ein komisches Gefühl? Du hast gerade fünf Straßenhunde aus Spanien aufgenommen und powerst all deine Kohle für die Behandlung ihres Parasitenbefalls raus, aber die Klatschtanten*onkels vom Friseur um die Ecke identifizieren dich glasklar als Tier-Messi, denn „da gabs doch neulich diesen Bericht bei Taff?“

Es gibt zahlreiche Fälle von Tierrechtler*innen die Anzeigen wegen Tierquälerei bekommen haben! Ja sogar von solchen, die eher tagelang in den Hungerstreik treten, bevor sie unveganen Essig in der Salatsauce tolerieren und sich eher ein Bein abschneiden würden, als ein Tier zu schubsen.

Das Absurde daran: Die Anzeigen kamen oft von Tierausbeuter*innen selber, z.B. mit dem Vorwurf, dass „Tierbefreiungen Tierquälerei sind, weil selbige die Tiere so stressen“, mit dem Vorwurf, dass „militante Tierschützer die Lüftungsanlage in der Schweinmast extra abgestellt haben, damit 2000 Tiere ersticken, weil diese militanten Idiot*innen Tiere ja lieber tot sehen als in Gefangenschaft“ o.Ä.

In vielen dieser Fälle kam es tatsächlich zu Ermittlungsverfahren und Gerichtsprozessen. In allen Fällen, die mir persönlich bekannt sind, wurden die Beschuldigten frei gesprochen. In den meisten dieser Fälle hätten die zu unrecht Angezeigten diesen Freispruch nicht mehr erlebt, wenn man den Facebook-Mordaufrufen nachgekommen wäre.

„Upps, war ja doch gar nicht so“

Jetzt kommt sicher: „Ja ich würde das ja nur bei Leuten machen, wo klar ist, dass die echt was Schlimmes gemacht haben“ – und das sagen Menschen, die zu V*rg*w*lt*g*ng und Mord gegenüber Personen auf Basis eines 5-Zeiligen Facebookposting-Screenshots aufrufen!
Was ist denn daran „ganz klar“ und „total sicher“? Wie oft kommt es vor, dass nach dem 1500-maligen Teilen eines privaten Facebook-Fahndungsaufrufs inkl. vermeintlicher Täter*innen-Identifikation herauskommt: „Upps, war ja doch gar nicht so“? Sehr oft! Das interessiert dann nur niemanden, denn die selbsternannten Gerechtigkeits-Experte*innen sind schon längst vier BILD-Artikel-Links und zwölf Racheszenarios weiter.

Ich schließe mit einen schönen Kommentar, den eine Leserin unter dem Artikel hinterließ
„Hasse nicht den Verbrecher, sondern das Verbrechen“ – fand ich einen guten Gedankenanstoß.

Lieben Dank für diesen Gastbeitrag an Mono von den Kreaktivisten


  1. Tierschutz-Faschos = Menschen, die sich selber als Tierschützer definieren und meist in einschlägigen Tierschutzforen zusammenfinden um regelmäßig in aller Breite Meldungen über Tiermisshandlungen zu kommentieren und dabei in ihren „entsetzten“ Kommentaren ziemlich ausschließlich Rachephantasien und Folterszenarien, sowie Gewaltaufrufe, Drohungen, Beleidigungen und Co formulieren, die so ziemlich jedes Menschenrecht untergraben. 
  2. Berichte = Hier eingeschlossen werden nicht nur Berichte/Artikel aus Rundfunk und Presse, sondern auch unbelegte Meldungen und Gerüchte aus dubiosen Blogs (gerne auch mit rassistischem Bezug zu Tierquälerei von Nicht-Deutschen oder im Ausland) oder sogar Screenshots von Facebookpostings unbekannten Datums, Ursprungs usw. 
  3. Opferschutz – Anmerkung: Absolut fraglich finde auch ich, inwiefern es dem „Opferschutz“ zuträglich ist, wenn fast schon sensationsgeil, Bilder des Opfers, Bilder der Misshandlung, Videos davon usw. ohne Ende teilt und verbreitet werden. Dem Opfer hilft das sicher wenig und andere Betroffene werden immer und immer wieder getriggert. Gut, ein Hund hat vielleicht wenig Ahnung davon ob sein Misshandlungsvideo auf Facebook die Runde macht, ich finde aber auch einen Gedanken an die Würde der Betroffenen wichtig und durchaus beachtenswert. 

7 Kommentare

  1. Sa

    „Ich vermute zumindest, dass nicht jede Mastanlagen-Arbeitskraft ernstlich psychisch erkrankt ist. “
    Ich will damit nicht sagen, dass niemand für seinen Job in einem Schlachthof Verantwortung trägt, aber: In einer Mastanlage zu arbeiten ist einer der psychisch und körperlich belastendsten Berufe überhaupt (wen wundert’s), der häufig von illegalen und/oder migrantischen Arbeiter*innen gemacht wird, die nicht so die Wahl haben, extrem schlechte Löhne bekommen, zu miesen Bedingungen arbeiten und unter Zeitdruck stehen.

    Eine außergewöhnliche hohe Rate psychischer Erkrankungen liegt da eigentlich wegen der strukturellen Bedingungen und dem Scheißjob ziemlich nahe.

    Das nur als kleine Ergänzung zu einem ansonsten sehr treffenden Artikel.

  2. kirin

    Wie wär’s mit einer Inhaltswarnung (gibt’s doch hier sonst so gern) für die Screenshots. Mir wurde da beim Lesen ziemlich übel, ich kann mir gut vorstellen das andere Leute davon richtig getriggert/retraumatisiertt werden. Finde es dann fahrlässig unvorbereitet mit solchen Gewaltfantasien konfrontiert zu werden, auch wenn der Titel es ja schon anspricht. Ich finde es ist ein ziemlicher Widerspruch im Text noch Sachen wie „V*rg*w*lt*g*ng“ einzubauen aber sowas dann aber ganz am Anfang offen stehen/den Artikel einleiten zu lassen.

    Obs dann den eingehenden Fascho-Spruch braucht frage ich mich auch…

    • Indyvegan

      Danke Kirin, für deine vollkommen berechtigte Kritik. Wir haben das Artikelbild nun unkenntlich gemacht und das Original mit einer Inhaltswarnung verlinkt.

    • Indyvegan

      In unserem Netzwerk gibt es Betroffene, die das so für eine gangbare Möglichkeit halten, mit so einem Begriff zu arbeiten. Die Menschen in unserem Netzwerk, die nicht betroffen sind, maßen sich nicht an, dies zu beurteilen.

      • Lily

        Sehr rücksichtsvoll. Aber dann wird es bei den Begriffen „Mord“, „Totschlag“ oder „Schlachten“ keine solche Zensur geben? Nehmt aber doch bitte auch wenigstens auf meine Befindlichkeiten Rücksicht und streicht alle Vokale aus Worten wie „Schl*g*n“, „H***n“, „Tr*t*n“ und *Besch*mpf*n“. Die Liste könnt ihr fortführen, ihr solltet halt Gewalt bitte nicht beim Namen nennen, weil das sensible Gemüter wie mich unnötig verstört. Bitte ernst nehmen, ich möchte, dass ihr meine Gefühle respektiert und nicht irgendwie darüber urteilt. Meine (und anderer Leute) Befindlichkeiten sollten aus ethischen Gründen natürlich Vorrang haben vor so sachlichen Kriterien wie Lesbarkeit oder Verständlichkeit.

        • Indyvegan

          „Sehr rücksichtsvoll. Aber dann wird es bei den Begriffen „Mord“,
          „Totschlag“ oder „Schlachten“ keine solche Zensur geben?“

          Wir zensieren V*rg*w*lt*g*ng nicht. Das Wort steht ja noch da und ist
          erkennbar.

          Wer ermordet, totgeschlagen oder geschlachtet wurde, ist nicht mehr am
          Leben und kann durch Worte nicht getriggert oder retraumatisiert werden.
          Selbstverständlich könnte dies auf die Angehörigen von Mordopfern
          zutreffen. Leider konnten wir hierzu im Netz nichts finden. Bitte
          verlinke uns doch entsprechende Quellen. Danke. Sollten die Worte Mord,
          Totschlag und Schlachten tatsächlich ein Problem sein, werden wir
          zukünftig darauf Rückschicht nehmen.

          „Nehmt aber doch bitte auch wenigstens auf meine Befindlichkeiten
          Rücksicht und streicht alle Vokale aus Worten wie „Schl*g*n“, „H***n“,
          „Tr*t*n“ und *Besch*mpf*n“.“

          Wenn wir den Eindruck hätten, dass das Ausschreiben oben genannter Worte
          tatsächlich ein Problem für dich wäre, würden wir das gerne tun. Es ist
          allerdings ziemlich offensichtlich, dass es dir nur um Provokation geht.

          „Die Liste könnt ihr fortführen, ihr solltet halt Gewalt
          bitte nicht beim Namen nennen, weil das sensible Gemüter wie mich
          unnötig verstört.“

          Es geht nicht darum, ″sensible Gemüter″ nicht zu verstören oder um
          ″Befindlichkeiten″. Es geht darum, traumatisierte Menschen zu schützen,
          bei denen bestimmte Begriffe ein enorm hohes Trigger- und
          Retraumatisierungspotential haben. Manchen hilft es, wenn Wörter wie
          V*rg*w*lt*g*ng nicht ausgeschrieben werden. Manche sagen, dass sei
          unsinnig, weil man das Wort ja doch noch erkennen könne. Einige sagen
          sogar, dass Wort würde durch die Sternchen hervorgehoben. Letztere
          Aussage ist uns allerdings nur von Nichtbetroffenen bekannt. In
          feministischen Kreisen und Kreisen Betroffener ist es größtenteils
          üblich, bestimmte Wörter nicht auszuschreiben und eine Inhaltswarnung
          vor Texte zu setzen. Wir haben uns entschlossen, das ebenso zu
          handhaben. Das muss man nicht verstehen, aber wenn es einigen
          Betroffenen hilft, kann man Rückschicht darauf nehmen. Wir sehen das
          als solidarischen Akt an.

          „Bitte ernst nehmen, ich möchte, dass ihr meine Gefühle
          respektiert und nicht irgendwie darüber urteilt.“

          Wir maßen uns nicht an, über die Gefühle anderer zu urteilen. Wenn wir
          auch nur Ansatzweise den Eindruck hätten, dass du wirklich ein Problem
          mit Worten wie ″Schl*g*n“, „H***n“, „Tr*t*n“ und *Besch*mpf*n“ hättest,
          würden wir sogar darüber nachdenken, wie wir künftig damit umgehen. Es
          ist jedoch völlig offensichtlich, dass es dir nur ums Provozieren geht.

          „Meine (und anderer Leute) Befindlichkeiten sollten aus ethischen
          Gründen natürlich Vorrang haben vor so sachlichen Kriterien wie
          Lesbarkeit oder Verständlichkeit.“

          Bei schweren Traumata würden wir allerdings nicht relativierend von
          ″Befindlichkeiten″ sprechen. Und Rücksicht für Menschen sollte auf jeden
          Fall Vorrang vor Lesbarkeit haben. Da stimmen wir dir zu.

Schreibe eine Antwort