Aachener Tierschutzbündnis
Kommentare 1

Aachener Tierschutz Bündnis – Ausweichen nach rechts

Wenn sich irgendwo ein breites Tierschutzbündnis formt, ist es eher erwartbar als überraschend, dass dann auch Vereine und Personen aus dem rechten Spektrum mit von der Partie sind. So auch beim Aachener Tierschutz Bündnis. Am 12. März findet in Aachen die Tierschutz-Demonstration „Gemeinsam gegen Tierleid!“ statt. Im Vorfeld der Veranstaltung des Aachener Tierschutz Bündnis kam es zu deutlicher Kritik an der Beteiligung rechter und rechtsoffener Akteur*innen. Das Bündnis reagierte erst gar nicht und kündigte nach anhaltender Kritik eine Prüfung der Hinweise an. Die Kritiker*innen stellte das Bündnis jedoch durchgängig als Zoophile dar.

Bereits Ende Januar wies ein Aktivist den verantwortlichen Veranstalter und Aachener Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) Horst Schnitzler schriftlich auf die Teilnahme der rechten Tierschutzorganisation „Allianz gegen Zoophilie“(AgZ) hin1. Dieser freundliche Hinweis blieb ohne Antwort seitens der Veranstalter*innen. Der Aktivist trat hierbei mit Klarnamen auf. Warum wir darauf hinweisen, zeigt sich im Folgenden.

Einen Monat vor dem Veranstaltungstermin wandten sich die Mitglieder des neugegründeten Tierrechtskollektiv Euregio ebenfalls schriftlich an die Veranstalter*innen und kritisierten die Beteiligung der rechten „Allianz gegen Zoophilie“ sowie weiterer rechter und rechtsoffener Tierschützer*innen. Da diese Anfrage unbeantwortet blieb, gingen die Aktivist*innen des Tierrechtskollektivs Euregio am 2. März 2016 mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit, der die Vorwürfe umfassend dokumentierte.2

Was folgte, waren zum Teil heftige Reaktionen der Mitglieder des Aachener Tierschutz Bündnis und der teilnehmenden Vereine bei Facebook. So kam es zu einer Reihe von Beleidigungen in Richtung des TK-Euregio. Die Kritiker*innen wurden als „Pack“, „Tierficker“, „Denunzuianten“, „Antiveganer“, „Wixer“, „Bande“, „Spacken“ und „hinterhältige Arschlöcher“ bezeichnet. Außerdem wurden ihnen „Verleumdung und Rufmord“ sowie „Gehirnwäsche“ vorgeworfen. Auf die eigentlichen Vorwürfe gingen die Tierschützer*innen dabei nicht ein.

Beleidigungen-Aachener-Tierschutzbündnis

Elke Cremer (AgZ) veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite das Foto einer Person, die ohne jegliche Indizien als Mitglied von TK-Euregio gemutmaßt wurde und bezeichnete die Person in diesem Zusammenhang als „Bockwurst“. In den Kommentaren unter dem Foto kündigte Michael Ron Weimann, Mitglied des ebenfalls teilnehmenden Vereins White Paw, an:3

Michael-Ron-Weimann-Ankündigung

Konfrontiert mit seiner Ankündigung, inszenierte sich Weimann als Antifaschist und behauptete, „niemanden speziell bedroht“ zu haben.4 Birgit Theißen-Kapust, Mitglied des Aachener Tierschutz Bündnis, markierte diese Ankündigung zunächst mit „gefällt mir“, behauptete jedoch später, ihr Like bedeute nur, dass sie diese Gewaltankündung verstehen könne, nicht aber gutheiße. Auch die Tierschützer*innen Elke Cremer (AgZ), Steffi V Küpper-Radix und Andreas Alteweyer markierten diese Gewaltandrohung mit „gefällt mir“.5

AgZ-Mitglied Elke Cremer beteuerte in Reaktion auf den offenen Brief des TK-Euregio, sie sei „nicht rechts, nicht links“.6 Auf die konkreten Vorwürfe aus dem offenen Brief hinsichtlich ihrer Tätigkeit für die AgZ wie auch ihre zahlreichen Likes für rechte Facebook-Seiten7 ging Cremer nicht ein.

Einen Tag nach  Veröffentlichung des offenen Briefes meldete sich der verantwortliche Veranstalter Horst Schnitzler mit folgender Stellungnahme zu Wort:8

Horst-Schnitzler-Stellungnahme

Gegenüber Indyvegan sagte Schnitzler, er habe nicht auf die E-Mail von TK-Euroegio reagiert, da er grundsätzlich nicht auf anonyme Kritik reagiere. Warum er den vorhergehenden Hinweis der nicht-anonymen Person ebenfalls unbeantwortet ließ, wollte Schnitzler nicht erklären. Er kündigte an, die Mitglieder des Bündnisses würden die Kritik prüfen und die betreffenden Personen und Organisationen ausschließen, sofern sich die Vorwürfe als zutreffend erwiesen. Die Hinweise, die Schnitzler zu diesem Zeitpunkt noch nicht geprüft hatte, identifiziert er bereits vorab als „diskreditierende Inhalte“. Bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels gab es seitens der Veranstalter*innen keine Stellungnahme zu etwaigen Konsequenzen. Schnitzler kündigte an, dass das Bündnis bis Donnerstag Entscheidungen dazu treffen werde. Warum eine Prüfung der Vorwürfe, die den Veranstalter*innen bereits seit einem Monat vorliegen, eine ganze Woche in Anspruch nimmt, bleibt fraglich.

Auf die Nachfrage, warum das Aachener Tierschutz Bündnis in seiner Stellungnahme die Aktivist*innen des TK-Euregio implizit als Zoophile darstellt, räumte Schnitzler zwar ein, dass dieser Unterstellung keinerlei Anhaltspunkte zugrunde liegen, weigerte sich jedoch, diesen Vorwurf aus der Stellungnahme zu entfernen. Schnitzler, der sich als „lebenslang aktiver Antifa-Mensch“ versteht, stellte zudem die verschwörungsideologische Frage in den Raum, ob eine Aktivistin von Indyvegan der Fleischindustrie angehöre. Auch wiederholte er seinen Vorwurf, dass die Kritik anonym angebracht würde, konnte dazu jedoch nicht erläutern, welcher Zusammenhang zwischen der Frage der Anonymität und dem Inhalt der Kritik sowie der Glaubwürdigkeit der dazugehörigen Nachweise bestehe. Er erweckte, wie auch andere Mitglieder des Bündnisses, den Eindruck, dass man sich hinter dem Vorwurf der Anonymität verstecken wolle, um sich nicht inhaltlich zu der Kritik äußern zu müssen.

Adrienne Kneis (Animals United e.V.) äußerte sich zu den Vorwürfen nicht öffentlich. In einer nicht öffentlichen Stellungnahme auf ihrer Facebook-Seite9 erklärte sie, dass sie sich von niemandem distanzieren werde, nur weil es andere von ihr erwarteten. Kneis machte in ihrem Statement deutlich, dass sie in der Zusammenarbeit mit den, im offenen Brief von TK-Euregio genannten, Gruppen und Personen kein Problem sehe. Die Verteilung von Flyern der Sekte Universelles Leben10 rechtfertigte sie damit, dass diese „äußerst wirkungsvoll“ seien, um über Tierschutzanliegen aufzuklären. In ihrer Zusammenarbeit mit dem Reichsbürger Horst Bruno Olk sieht sie politisch kein Problem. Achim Betticher, Mitglied der Partei Umwelt Mensch Naturschutz, vertritt gemeinsam mit Adrienne Kneis den Verein Animals United e.V. auf der Veranstaltung des Aachener Tierschutz Bündnis. Dem offenen Brief von TK-Euregio möchten wir an dieser Stelle den Hinweis hinzufügen, dass Betticher mit einer Reihe von Tierschützer*innen aus dem rechten Spektrum vernetzt ist.11 Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass Betticher selbst dem rechten Spektrum zuzuordnen ist. Jedoch wird deutlich, dass der Tierschützer entweder kein Problembewusstsein oder eine hohe Toleranz im Zusammenhang mit rechten Tierschützer*innen zeigt.

Auch Reiner Gerlang aka. Vicky Lehmann, Gründer der rechten „Allianz gegen Zoophilie“ meldete sich auf Facebook zu Wort und sprach, bezogen auf die Aktivist*innen des Tierrechtskollektivs Euregio, von „anonymen feigen verlogenen Denunzianten“(sic!)12 Auf Nachfrage von Indyvegan konnte Gerlang keine Lügen benennen, die der offene Brief enthalte. Stattdessen verlegte auch er sich auf die Anonymität der Aktivist*innen und löschte kurz darauf einige seiner Kommentare.

Die rassistischen Protestschilder eines niederländischen Tierschützers in der Facebook-Veranstaltung des Bündnisses, auf denen Rumänien als „Land des Todes“ sowie „Romania Dogkiller“ bezeichnet und von einem „Genozid“ an streunenden Hunden gesprochen wird, werden  von einigen Teilnehmer*innen der Demonstration sowie von Mitgliedern des Aachener Tierschutz Bündnis Birgit Theißen-Kapust und Silke Winkler mit „gefällt mir“ markiert.13

Land-Of-Death-Romania

Gestern Abend sagte der Verein Help for strays seine Teilnahme an der Veranstaltung ab und erklärte dazu, die Absage habe „mit unkritischem Umgang mit rechtem Inhalt“ seitens der Veranstalter*innen zu tun14. Diese Absage wurde kurz darauf aus der Facebook-Veranstaltung gelöscht. Eine Nachfrage zu dieser Löschung wurde ebenfalls kommentarlos von den Veranstalter*innen gelöscht. Auch unsere darauffolgende Nachfrage15 wurde innerhalb von vier Minuten ohne Erklärung entfernt. Offenbar möchte man verhindern, dass andere Vereine Notiz davon nehmen, wenn Vereine Konsequenzen aus der rechtsoffenen Haltung der Veranstalter*innen ziehen. Man darf gespannt sein, wie sich das Aachener Tierschutz Bündnis nach Prüfung der Hinweise positionieren wird. Wir werden in einem Update über die finale Entscheidung der Veranstalter*innen sowie über etwaige weitere Absagen berichten.

Update 14:00 Uhr

Aktuell löscht das Aachener Tierschutz Bündnis jegliche kritische Kommentare aus der Facebook-Veranstaltung. Nachfragen zu den Gründen der Löschung werden nicht beantwortet und ebenfalls sofort entfernt.

Update 16:00 Uhr

Nun meldete sich auch Achim Betticher zu Wort. Die Kritik an der Integration rechter Tierschützer*innen in die Tierschutzszene kommentierte Betticher folgendermaßen:15

Achim Betticher linksradikales Pack

Tierschützer*innen, die sich mit rechten Tierschützer*innen gemein machen, versteht Betticher (Animals United e.V.) also als „anständige Tierrechtler und Tierschützer“, während jene, die Kritik daran üben „linksradikales Pack“ sind.


  1. http://abload.de/img/mailreaktion10pu4i.png 
  2.   https://tkeuregio.wordpress.com/2016/03/02/kritik-am-aachener-tierschutz-buendnis/
    http://archive.is/4MLyd 
  3. http://abload.de/img/elke-cremer-ron-weima0exw7.png 
  4. http://abload.de/img/weimannstellungnahmeblfsfu.png 
  5. https://www.facebook.com/events/1514429902206381/permalink/1563065467342824/
    http://abload.de/img/2aachenertierschutzbnbcuzz.jpg
    http://archive.is/Rdtju 
  6. https://www.facebook.com/events/1514429902206381/permalink/1563065467342824/
    http://abload.de/img/2aachenertierschutzbnbcuzz.jpg
    http://archive.is/Rdtju
    http://abload.de/img/likesankndigung7rsrc.jpg 
  7. http://archive.is/2v9Cx
    VEGanonymous, Animal First, Die nackte Wahrheit, Cahit Kaya, Killuminati, Dee Ex, Allianz gegen Zoophilie, Spielverderber, 
  8. https://www.facebook.com/groups/VeganInAachen/permalink/1146955682005641/
    http://abload.de/img/schnitzlerstellungnahtlr0b.png 
  9. Uns liegt der Screenshot der Erklärung vor. Wir haben uns entschieden, diesen nicht zu veröffentlichen, da es sich um ein nicht öffentliches Posting handelt und der Inhalt eine Veröffentlichung aus unserer Sicht nicht rechtfertigt. Zur Überprüfung der von uns kommentierten Inhaltle können wir den Screenshot im Einzelfall und unter der Auflage, diesen nicht zu veröffentlichen oder weiterzugeben, zur Verfügung stellen. 
  10. http://indyvegan.org/swissveg-toleranz-fuer-antisemitismus-und-sekten-unter-dem-v-label/ 
  11. Ute Olbrich, Nick Kühl, Liona Toussaint, Paul Vegie aka Michael Woitag, Andrea Bubrowski, Andre Gassert, Laveria Maven, Ti Na
  12. http://abload.de/img/6aachenertierschutzbnkhjwq.jpg 
  13. https://www.facebook.com/events/1514429902206381/permalink/1563953060587398/?ref=1&action_history=null
    https://archive.is/lpysJ 
  14. http://abload.de/img/absagehelpforstraysm3q3x.png 
  15. http://abload.de/img/08-03-_2016_11-35-32xarii.png 

1 Kommentar

  1. Pingback: Kritik am AACHENER TIERSCHUTZ BÜNDNIS | TK-Euregio

Schreibe eine Antwort