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Patrik Baboumian und die Querfront – reviewed

Update 22. Juli 2015

In einer Stellungnahme auf seiner Facebookseite distanziert sich Patrik Baboumian von den Mahnwachen, räumt „schwerwiegende Fehler“ ein und kündigt eine umfassende Stellungnahme zu diesem Thema an.

„Diese Kritik ist mir gut bekannt, weil ich selbst Ziel der Kritik bin und war, seit ich mich im vergangenen Jahr positiv zu den Mahnwachen für den Frieden geäußert hatte und selbst auf einer solchen Mahnwache 2014 hier in Berlin gesprochen habe. Ich habe mich bis vor einigen Monaten teilweise sehr heftig gegen die Kritik zur Wehr gesetzt, weil ich mich immer wieder mit vollkommen überzogenen Anschuldigungen konfrontiert sah und mich daher oft gekränkt fühlte. Zudem war die Kritik oft sehr unsachlich. Heute aber kann ich einiges, was die Kritiker vorbringen nachvollziehen und habe daher meinen Kampf gegen die Kritiker bereits seit einigen Monaten einseitig beendet. Ich stehe seit dem den Kritikern für einen konstruktiven Dialog zur Verfügung und führe diesen momentan über nicht öffentliche Kanäle. […]

Ich werde demnächst noch eine ausführlichere Stellungnahme veröffentlichen, in der ich meine Gründe für die Distanzierung von den Mahnwachen genauer erläutern werde, da ich glaube in dieser Hinsicht einige schwerwiegende Fehler begangen zu haben, die ich nun erläutern und hoffentlich so weit das möglich ist, wieder gut machen möchte. Das letzte was ich will ist, dass durch mein Handeln der veganen Sache ein Schaden entsteht und daher tue ich eben, nach bestem Wissen und gewissen, das was ich für das richtige halte. Aber ich bin, wie wir alle nicht davor gefeit Fehler zu begehen und hoffe, ihr habt dafür Verständnis.“ Screenshot


 

Ursprünglicher Artikel

In unserem Beitrag „Patrik Baboumian und die Querfront – Wenn Kritik gefährlich wird“ hatten wir im Februar über das Verhältnis des veganen Kraftsportlers Patrik Baboumian zur Querfront berichtet. Es ging darin unter anderem um Baboumians Umgang mit seinen Kritikerinnen sowie die Ankündigung, gemeinsam mit dem Rechtsextremisten „Semael Nahash Karzinger“ eine Liste von Kritikerinnen zu erstellen und diese zu veröffentlichen. Jetzt hat Baboumian eine Stellungnahme, zu unserem Artikel, auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Da Indyvegan dort erwähnt wird, haben wir seine Stellungnahme mal genauer unter die Lupe genommen.

Umgang mit Kritiker*innen

„Dieses aggressive Vorgehen hat bis heute zum Glück bei keiner einzigen Orga gefruchtet, sondern im Gegenteil dazu geführt, dass die „Chefankläger“ mittlerweile keinerlei Glaubwürdigkeit mehr besitzen und von kaum einer Orga ernst genommen werden.“

Wir wissen von einigen Tierrechtsaktivistinnen, dass sie sich gegenüber NGOs für eine klare Abgrenzung nach rechts und damit auch für eine Abgrenzung von der Montagsquerfront einsetzen. Entgegen Patrik Baboumians Behauptungen hat dies bereits dazu geführt, dass die Sommerfest-Orgas der veganen Feste in Mannheim (Ariwa) und Leipzig (Veganes Vorum Leipzig) sich klar gegen eine Beteiligung von Akteurinnen aus dem Umfeld der sogenannten „Mahnwachen für den Frieden“ entschieden haben.

Die vegane Querfront-Aktivistin Morgaine erklärt dazu in ihrem Kommentar unter Baboumians Stellungnahme:1

Morgaine

Die Entscheidungen weiterer Orgas stehen noch aus. Unserem aktuellen Kenntnisstand nach wird es auch auf dem veganen Sommerfest in Berlin, im Gegensatz zum letzten Jahr, keine Beteiligung der Querfront-Aktivist*innen Marsili Cronberg, Lea Frings, Kilez More oder Morgaine geben. Eine Entscheidung zur Teilnahme Patrik Baboumians ist, laut Informationen eines Aktivisten, der in Kontakt mit den veranstaltenden NGOs steht, noch offen.

„Sie haben sich sogar an meinem Wikipedia-Artikel zu schaffen gemacht ([…]) und dort versucht, eine Verbindung zu Leuten zu konstruieren, die ich in meinem Leben noch nie live getroffen oder gesprochen habe. Es ist also klar, dass es sich hier nicht um harmlose Trolle handelt, die etwas Unruhe stiften wollen, sondern um Leute, denen es in erster Linie um eines geht: nämlich einen möglichst großen Schaden bei ihrem Opfer zu hinterlassen.“

Baboumian versucht hier, wie an weiteren Stellen, den Eindruck zu erwecken, es gehe bei der Kritik an seinen Positionen um eine, von einer überschaubaren, homogenen Gruppe, ausgeübte Rufmordkampagne. Als Motivation seiner Kritiker*innen mutmaßt er das bloße Bedürfnis, ihm als Person Schaden zufügen zu wollen. Dass er von unterschiedlichen Seiten kritisiert wird und diese Kritik vor allem inhaltlicher Natur ist, will Patrik Baboumian entweder nicht wahrhaben oder nicht öffentlich eingestehen. Wir selbst waren überrascht, über den Wikipedia-Eintrag2 und den Quellenbezug auf unsere Seite. Abgesehen von der Unterstellung, Baboumian hätte in seinen Positionen eine ideologische Nähe zu dem Rechtspopulisten „Jürgen Elsässer“, teilen wir jedoch die dort veröffentlichten Angaben. Unser Interesse ist es nicht, Patrik Baboumian zu schaden. Wir berichten über die Kritik an seinen Positionen und Handlungen sowie über seinen Umgang mit dieser Kritik.

Baboumian vs. Indyvegan

„Diese Leute agieren aus der Anonymität heraus. Sie nutzen Seiten wie Indymedia oder Indyvegan, die sich durch Anonymität jeder rechtlichen Handhabe entziehen, und verbreiten von dort aus ihre Lügengebilde. Als „Belege“ nutzen diese Seiten fast ausschließlich irgendwelche Facebook-Kommentare. Dabei werden relevante Fakten verschwiegen und es werden Aussagen, die teilweise mit zwei Jahren Abstand zueinander getätigt wurden, so in einen Kontext gestellt, als hätte ich diese Dinge im gleichen Atemzug gesagt.“

Bis heute gab es seitens Patrik Baboumians keinerlei Aufforderung an uns, Aussagen richtig zu stellen, zu belegen oder zu entfernen. Es wurde nicht mal der Versuch unternommen, eine vermeintlich falsche Behauptung aus dem Beitrag entfernen zu lassen. Wir haben zu jedem Zeitpunkt dazu aufgerufen, uns auf etwaige Falschbehauptungen in unseren Artikeln hinzuweisen und dies entsprechend zu belegen. Das ist nicht passiert. Warum Facebook-Kommentare keine Belege für gemachte Aussagen seien, erklärt Patrik Baboumian in seiner Stellungnahme nicht. Auch erklärt er nicht, welche Aussagen angeblich aus dem Kontext gerissen wurden.

Wir arbeiten aus Sicherheitsgründen anonym. Uns liegen Nachweise vor, wonach Patrik Baboumian aktuell das Privatleben eines Kritikers auskundschaftet. Die erlangten vertraulichen Informationen verbreitet er nachweislich weiter und weist innerhalb einer Diskussion darauf hin, dass er die Adresse der Person ausfindig gemacht habe3. Wer sich schon immer gefragt hat, warum anonymes Engagement gegen reaktionäre Strukturen sinnvoll und notwendig ist, weiß es spätestens an dieser Stelle.

„Des Weiteren werden von der Seite „Indyvegan“ massiv Kommentare gelöscht und deren Urheber geblockt, wann immer jemand auf die suggestiven und manipulativen Mechanismen, deren sich diese Seite in ihren Beiträgen bedient, hinweist.“

Wir entfernen Kommentare und blocken Personen, wenn diese NS-Vergleiche ziehen, Antisemitismus und Faschismus relativieren oder Verschwörungsideologien verbreiten. Ebenso, wenn sie unsere Autorinnen als „Faschisten“ beschimpfen, Querfront-typische prorussische Propaganda platzieren oder uns „Hetze“ und „Lügen“ unterstellen, diese aber auch auf Nachfrage nicht benennen und belegen können. Patrik Baboumian mussten wir leider von weiteren Diskussionen auf unserer Facebook-Seite ausschließen, da er an einer sachlichen Diskussion augenscheinlich nicht interessiert war. Mit sachlichen Kritikerinnen haben wir immer diskutiert und werden das auch weiterhin tun.

Querfront

„Mir wird vorgeworfen, Teil einer sogenannten Querfront zu sein. Dazu muss man sich zunächst ansehen, was mit dem Begriff Querfront überhaupt gemeint ist. Klassisch bezeichnet dieser Begriff den linken Flügel der NSDAP. Wenn man also jemanden einen Querfrontler nennt, dann kann man ihn auch gleich einen Nazi nennen.“

Der Begriff „Querfront“ bezeichnet eine, seit 1930 bekannte, rechte Bündnisstrategie, bei der linke Themen, Inhalte, Symbole und Codes von Rechten adaptiert und modifiziert werden, um rechte Inhalte und Ziele für andere politische Lager, bis hin zur Linken, anschlussfähig zu machen. 4 Innerhalb der Mahnwachenbewegung (″Mahnwachen für den Frieden″) geschieht dieser Schulterschluss hauptsächlich über offenen Antiamerikanismus, offenen und codierten Antisemitismus5, verkürzte Kapitalismuskritik sowie über Verschwörungsideologien. Diese Strategie der neuen Rechten wird in den Inhalten und der Rhetorik der einzelnen dort auftretenden Rechtspopulist*innen (Ken Jebsen, Jürgen Elsässer, Andreas Popp) sowie den spezifischen Medien (KenFM, Compact, Wissensmanufaktur, RT Deutsch, Anonymous.Kollektiv …etc.) deutlich.

Teil der „Querfront“ sind damit alle beteiligten politischen Lager. Die sogenannten „Mahnwachen für den Frieden“ zeigen als Querfront ein breites Spektrum von rechtsextremen Reichsbürgerideologinnen bis hin zu linken Aktivistinnen.6 Eine der Querfront zugewandte Position bedeutet daher nicht, dass eine Person zwingend „rechts“ eingestellt sein muss. Es lässt sich jedoch sagen, dass die Person rechten Ideologien gegenüber offen oder „tolerant“ genug ist, um mit diesen Kräften gemeinsam auf die Straße zu gehen. Weiterführend lässt sich sagen, dass diese Person ideologisch anschlussfähig für einzelne reaktionäre Positionen der Querfront ist.

Patrik Baboumian sagt dazu selbst vollkommen richtig in seiner Stellungnahme:

„Es hat sich zunächst mal bei den Montagsmahnwachen nie um eine homogene Bewegung gehandelt, sondern um eine heterogene, bunte Mischung verschiedenster politischer Strömungen, die lediglich durch einen pazifistischen Grundgedanken geeint wurden.“

Dass die Motivation von Reichsbürgerideologinnen und Rechtspopulistinnen aus einem „pazifistischen Grundgedanken“ entspringt, darf bezweifelt werden. In den meisten Reden ist das Thema Frieden nur das Vehikel, mit dem Verschwörungsideologien, Antisemitismus, Antiamerikanismus, Reichsbürgerideologie eingeleitet und/oder gerechtfertigt werden.

Würde man Patrik Baboumian aufgrund seiner Positionen der Querfront zuordnen wollen, so gehörte er in das linke Spektrum der Querfront. Baboumian positioniert sich antizionistisch, mit einer erkennbaren Verharmlosung antisemitischer Positionen.7 Es ist in diesem Zusammenhang nicht verwunderlich, dass einzelne Querfront-Akteur*innen sich zwar klar gegen Rechtsextremismus positionieren, gleichzeitig jedoch ideologische Versatzstücke rechter Ideologien, wie Antisemitismus, verkürzte Kapitalismuskritik oder Reichsbürgerideologie, vertreten oder relativieren.

Unterwanderung der Mahnwachen?

„Was durchaus den Tatsachen entspricht ist, dass auch rechte Rattenfänger versucht haben, diese damals neu entstandene Bewegung für ihre Zwecke zu missbrauchen. Doch wie reagiert man auf solche Versuche, eine Bewegung für rechte Propaganda zu missbrauchen?“

Der antisemitische Verschwörungsideologe Lars Mährholz8 hat die erste „Mahnwache für den Frieden“ in Berlin veranstaltet, wie auch alle Folgeveranstaltungen in Berlin. Bei einer dieser Veranstaltungen trat auch Patrik Baboumian auf9. Bereits auf einer der ersten, und bis heute zahlenmäßig größten, Veranstaltungen, am 21.04.2015, holte Mährholz dafür die Rechtspopulisten Andreas Popp, Jürgen Elsässer und Ken Jebsen auf die Bühne.10 Rechtsextreme Reichsbürgerideologinnen waren ebenso von Beginn an regelmäßige Rednerinnen auf diesen Veranstaltungen.11 Wenn also ein antisemitischer Verschwörungsideologe Veranstaltungen anmeldet, für deren Programm er selbst verantwortlich zeichnet, so entbehrt es jeglichem Realitätsbezug, hier von „Missbrauch für Propaganda“ zu sprechen. Wenngleich sich Mährholz später, im Zuge breiter Medienkritik, vordergründig von Andreas Popp und Jürgen Elsässer distanzierte. Reichsbürgerideologische wie auch antisemitische und verschwörungsideologische Redebeiträge blieben bei den Berliner Mahnwachen, wie auch bei den meisten parallel in verschiedenen Städten stattfindenden Mahnwachen, an der Tagesordnung. Auch Ken Jebsen hält bis heute Reden auf diesen Veranstaltungen.

Es ist sicher ein lobenswertes Anliegen, eine „Friedensbewegung“ gegen rechte Ideologien zu stärken. Wenn eine solche Bewegung jedoch auf menschenfeindlichen, reaktionären Ideologien fußt und deren zentrale Figuren diese Ideologien propagieren, stellt sich vielmehr die Frage, warum sich Menschen wie Patrik Baboumian und viele andere, die sich als „Linke“ verstehen, nicht der klassischen Friedensbewegung angeschlossen haben.

„Und was ich vorfand, war eine bunte Mischung an Hippies, Punks und normalen Leuten, die dem entsprachen, was man auch vorfindet, wenn man in eine beliebige Straßenbahn in Berlin einsteigt. Ich musste erkennen, dass die meisten Kritiker gar nicht wussten, was sie da kritisierten und ihre Meinung zu 100% auf Medienberichte stützten, die leider meist ein ziemliches Zerrbild von den Veranstaltungen zeichneten.“

Wir wissen nicht, wen Baboumian hier mit „normalen Leuten“ meint. Verschwörungsideologinnen, Antisemitinnen, Reichsbürgerideologinnen, Chemtrailerinnen und Rechtsextremist*innen erkennt man nicht an ihrem Aussehen. An ihren Aussagen, die sie auf diesen Veranstaltungen offen und unkommentiert auf den Bühnen der Mahnwachen vortragen durften, erkennt man sie sehr wohl. Womit Patrik Baboumian das, angeblich von den Medien vermittelte, „Zerrbild“ begründet, lässt er uns in seiner Stellungnahme leider nicht wissen. In den etablierten Medien wird diese Bewegung als „Querfront“ diskutiert und kritisiert.

Dialog mit Rechten

„Leute, die der Überzeugung sind, wir befänden uns in einem politischen Meinungskrieg, in dem nur ein aggressives, wenn es sein muss auch zerstörerisches Vorgehen gegen den Gegner Erfolg verspricht. Für diese Leute ist jeder Dialog mit jemandem, der eine rechte Gesinnung hat, ein Akt der Querfront-Bildung.“

Der Versuch der Mahnwachen-Aktivistinnen, die Rechten innerhalb der Querfront darüber zu legitimieren, dass man sie bekehren oder positiv beeinflussen wolle, ist im „linken“ Spektrum der Mahnwachen weit verbreitet. Die Not, sich für die Präsenz von antisemitischen Verschwörungsideologinnen, rechtsextremen Reichsbürgerideolgoinnen, Neonazis und sonstigen Geschichtsrevisionistinnen rechtfertigen zu müssen, und damit der Vorwurf der „Rechtsoffenheit“ wird so zur Tugend erklärt. Würden diese Ideologien innerhalb der Mahnwachen eine breite Ablehnung finden, würde man deren Vertreter*innen kein Forum für die Verbreitung ihrer Ideologien bieten. Denn für einen „Dialog“ braucht es keine Bühne.

Ob die angekündigte Zusammenarbeit Patrik Baboumians mit dem Rechtsextremisten „Semael Nahash Karzinger“ auch Teil eines solchen Anliegens war, lässt sich seiner Stellungnahme nicht entnehmen. Es hat uns überrascht, dass Baboumian sich zu diesem Vorwurf, wie auch zu seinen Plänen, Listen von Kritiker*innen anzulegen und zu veröffentlichen, mit keinem Wort geäußert hat. Hier hätte er die Gelegenheit gehabt, sich zu denn Inhalten unseres Beitrags zu äußern, die er wiederholt als „Lügen“ bezeichnete.

„Getreu dem Motto, wer mit meinem Feind spricht, ist selbst mein Feind, wird dann auch schnell mal aus einem Migranten, der als siebenjähriger asylsuchender Flüchtling nach Deutschland gekommen ist und sich gegen Rassismus und für interkulturelle Verständigung einsetzt, ein Querfrontler (Nazi).“

Auch an dieser Stelle versucht Baboumian seinen Kritiker*innen zu unterstellen, ihm einen Nazi-Vorwurf zu machen, indem er die Begriffe „Querfrontler“ und „Nazi“ gleichsetzt. Dass Patrik Baboumian sich antirassistisch positioniert, hatten wir bereits in unserem Beitrag angemerkt und den Widerspruch zu seiner Verteidigung der Querfront verdeutlicht.12 Eine Migrationsbiografie allein, schließt leider nicht das Vertreten reaktionärer Ideologien aus.

„Bezeichnenderweise wird seitdem von meinen Kritikern quasi NIE mein eigener Redebeitrag thematisiert, sondern immer wieder versucht, eine Verbindung zwischen mir und Leuten zu suggerieren, die ich nicht kenne.“

Der Fakt, dass Patrik Baboumian auf der Querfront-Veranstaltung eines antisemitischen Verschwörungsideologen auftritt, der Rechtspopulistinnen, Reichsbürgerideologinnen, Verschwörungsideologinnen, Antisemitinnen und Geschichtsrevisionist*innen auf seinen Bühnen und auf seinen Internetseiten ein Forum bietet, war tatsächlich der Kernpunkt der Kritik, die Baboumian aus der Tierrechtsbewegung entgegenschlug. Er spricht sich (zurecht) kritisch gegen die, in der Querfront verbreitete, verkürzte Medienkritik aus. Im Rahmen seiner Stellungnahme nutzt er jedoch genau diese verkürzte Medienkritik, um das angebliche „Zerrbild“ zu erklären, das über die Mahnwachen in der Öffentlichkeit verbreitet würde.

Ken Jebsen & Antisemitismus

„Immer wieder wurde versucht mir einen Strick aus der Tatsache zu drehen, dass ich etwa Ken Jebsen gegen Antisemitismusvorwürfe verteidigt hätte. Nur muss man dazu begreifen, dass ich das nicht getan habe, weil ich Antisemitismus cool finde oder gar selbst auch nur im Geringsten eine antisemitische Geisteshaltung besitze, sondern weil ich bestimmte Vorwürfe gegen Jebsen als nicht stichhaltig empfand. Ich habe damit nicht gesagt, dass Jebsen kein Antisemit sein kann. Ich habe lediglich Zweifel an der Argumentation meiner damaligen Mitdiskutanten auf Facebook geäußert und darum gebeten, bessere Argumente zu bringen.“

Wir wissen aus unseren Recherchen, dass Patrik Baboumian mehrfach mit den antisemitischen Aussagen Ken Jebsens aus dessen Machwerk „Rassistischer Zionismus“ konfrontiert wurde. In diesem Zusammenhang verteidigte er Jebsen stets gegen Antisemitismusvorwürfe, indem er diese verharmloste und als “antizionistisch” rechtfertigte.13

Aussagenvergleich

„Es ist offensichtlich, dass der Vorwurf des Antisemitismus von bestimmten politischen Strömungen als Totschlagargument ins Feld gezogen wird, um unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen. Wo immer das passiert, tragen am Ende alle den Schaden, denn ein solches Vorgehen ist nichts anderes als eine Verharmlosung des real existierenden Antisemitismus, den es eigentlich zu bekämpfen gilt.“

Welche „Politischen Strömungen“ den Antisemitismus angeblich als „Totschlagargument″nutzen, und laut Baboumians Argumentation, Menschen zu unrecht als „antisemitisch“ bezeichnen, erklärt er nicht. Der Mythos vom „Antisemitismus als Totschlagargument“ ist in der Querfront weit verbreitet. Die, in diesem Zusammenhang verbreitete, Behauptung, man könne die Politik der israelischen Regierung nicht kritisieren, ohne als Antisemit*in bezeichnet zu werden, ist schlicht unzutreffend. Es gibt unterschiedliche Kriterien anhand derer sich antisemitische Einstellungen relativ klar von einer differenzierten, sachlichen Kritik an der Politik der israelischen Regierung unterscheiden lassen. Die Broschüre „Man wird ja wohl Israel noch kritisieren dürfen…? – Über legitime Kritik, israelbezogenen Antisemitismus und pädagogische Interventionen“ klärt über dieses Themenfeld auf.

„Zwei interessante Quellen“

„Hier noch zwei interessante Quellen für ein tieferes Verständnis der Problematik:
Eine Analyse des wahnhaften Verhaltens der selbsternannten Kritiker von einem Insider: http://www.spiegelfechter.com/wordpress/131657/watch-seiten-auf-facebook-enttarnt-entlarvt-entrueckt

Der sogenannte „Insider“ ist nicht mehr und nicht weniger als der Blog-Autor Jörg Wellbrock (Spiegelfechter), der sich zunehmend Querfrontthemen widmet und dafür von verschiedenen Seiten kritisiert wird. Da dieser, ähnlich wie Baboumian, nur schwerlich mit dieser Kritik umzugehen weiß, verfasste er diesen Text. Wellbrock besitzt keinerlei „Insiderwissen“. Er hat lediglich die Erfahrung gemacht, welcher Kritik man sich aussetzt, wenn man einen verschwörungsideologischen Autor, der für rechte verschwörungsideologische Verlage schreibt, als „Experten“ für Gespräche über die FED und über 9/11 einlädt.14

„Eine Analyse des Problems innerhalb der veganen Bewegung von einem Tierrechtsurgestein: http://www.martinballuch.com/die-psychologie-der-ausgrenzung/

Martin Balluch, der Verfasser dieses Textes, war im Zusammenhang mit dem Tierbefreiungskongress in Wien 2014 als Mitveranstalter in die Kritik geraten, weil er den umstrittenen, rechtsoffenen Autor „Helmut F. Kaplan“ als Redner einlud.15 Kaplan gerät immer wieder durch menschenverachtende Äußerungen und insbesondere durch Holocaustvergleiche in die Kritik. 2010 gab Kaplan dem rechtsextremen Magazin „Fahnenträger“ ein Interview, das unter der Überschrift „Holocaust-Vergleich wird immer wichtiger“, erschien und ebenfalls im rechtsextremen Magazin „Umwelt & Aktiv“ veröffentlicht wurde. Das Interview selbst, wie auch die Verlinkungen auf die rechtsextremen Magazine, finden sich noch heute auf Kaplans Website.16 Zudem sitzt Kaplan im wissenschaftlichen Beirat des verschwörungsideologischen Portals „Wissensmanufaktur“17, welches von dem Rechtspopulisten „Andreas Popp“ betrieben wird. Balluch verteidigte Kaplan gegen jegliche Kritik und zeigt sich, ebenso wie Kaplan, offen für die Mitglieder der totalitären Sekte „Universelles Leben“. Auf diesen Vorgängen basiert der von Baboumian verlinkte Text.

Fazit

Wir hätten uns sehr gefreut, hätte sich Patrik Baboumian in seiner Stellungnahme zu den von ihm angekündigten Plänen, Listen von Kritikerinnen anzulegen und zu veröffentlichen, zu seiner geplanten Zusammenarbeit mit dem Rechtsextremisten „Karzinger“ oder zu seiner Mitgliedschaft in dessen verschwörungsideologischer Facebook-Gruppe geäußert. Auch zu seinem aggressiven Vorgehen gegen Kritikerinnen, seinen Verleumdungsversuchen gegen Kritik übende Tierrechtsaktivist*innen, sowie zu seinen aktiven Einschüchterungsversuchen äußerte er sich leider nicht. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, sich für dieses Vorgehen bei den Betroffenen öffentlich zu entschuldigen.


  1. https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10206696378992279&set=a.1295484671369.44373.1357904369&type=1&permPage=1 
  2. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Patrik_Baboumian&diff=141526506&oldid=140996595 
  3. http://abload.de/img/adressekritikerpbzir4q.png 
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Querfront
    http://www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/querfront 
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_%28nach_1945%29 
  6. http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2014/04/16/reichsbuerger-neonazis-und-antisemiten-querfront-kapert-friedensdemonstrationen_15687
    http://www.netz-gegen-nazis.de/category/ressorts/wissen/was-sie-machen/querfront
    http://www.hagalil.com/archiv/2014/07/02/montagsmahnwachen/
    http://www.tagesspiegel.de/politik/friedensmahnwachen-rechte-linke-verschwoerungtheoretiker-die-neue-querfront/11165150.html
    http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-04/montagsdemo-mahnwache-frieden-berlin
    http://www.berliner-zeitung.de/politik/montagsdemos-voelkische-friedensbewegung,10808018,26872180.html
    http://www.vice.com/de/tag/Montagsdemo 
  7. http://abload.de/img/jebsenistkeinantisemigzi6r.png Der Original-Thread wurde von Baboumian gelöscht 
  8. http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-04/montagsdemo-mahnwache-frieden-berlin
    http://www.vice.com/de/read/montagsdemo-initiator-lars-maehrholz-verschweigt-seine-rechte-vergangenheit-kenfm-juergen-elsaesser
    http://www.taz.de/!136944/ 
  9. https://www.youtube.com/watch?v=Es1iBkymz2U 
  10. http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-04/montagsdemo-mahnwache-frieden-berlin 
  11. http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2014/04/16/reichsbuerger-neonazis-und-antisemiten-querfront-kapert-friedensdemonstrationen_15687 
  12. „Baboumian, der sich selbst als “antirassistisch” versteht, und sich im Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage als Pate engagiert, sieht hier augenscheinlich keinen Widerspruch.“
    http://indyvegan.org/patrik-baboumian-und-die-querfront/ 
  13. http://abload.de/img/jebsenistkeinantisemigzi6r.png Der Original-Thread wurde von Baboumian gelöscht. 
  14. https://www.facebook.com/friedensdemowatch/posts/753210161399909
    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/130922/was-kostet-die-welt-und-gehoert-sie-der-fed 
  15. https://linksunten.indymedia.org/de/node/124389 
  16. http://www.tierrechte-kaplan.org/interviews/index.html 
  17. http://www.wissensmanufaktur.net/personen
    http://abload.de/img/wissenschaftlicherbeihfy19.png 

19 Kommentare

  1. Polly

    Man sollte vielleicht über „Hierarchien“ nachdenken, was politische und religiöse Ideologien betrifft. „Rechts und Links“ z.B. wären demnach Ideologien „ersten Ranges“, innerhalb derer jemand vegan oder nicht vegan sein kann. Dann müsste man nicht über „QuerfrontlerInnen innerhalb der veganen Szene“ lesen*, sondern schlimmstenfalls über VeganerInnen innerhalb der Querfrontlerszene, und von veganen Linken oder Rechten. Auch dann, wenn diese Leute hauptsächlich in Erscheinung treten, weil sie sich für eine Verbreitung des Veganismus einsetzen. Es wird dann stets der Veganismus innerhalb einer linken bzw. rechten (oder auch chauvinistischen (Hildmann)) Ideologie interpretiert. Veganismus ist eine ethische Haltung (und Handlung), die für sich genommen weder rechts noch links ist und auch keiner Religion angehört. Genau deswegen kann sie von allen leider subsummiert werden.

    *https://pod.geraspora.de/posts/43a0bc30baed0132e95d4860008dbc6c

    • Indyvegan

      Da hast du vollkommen Recht, Polly. Unser Fokus liegt jedoch darauf, innerhalb der veganen Szene gegen reaktionäre Tendenzen vorzugehen. Da Querfront-Akteur*innen im letzten Jahr noch für einige vegane NGOs als Kooperationspartner und „Aushängeschilder“ infrage kamen und in Teilen der Szene vereidigt werden, sehen wir hier unseren Fokus für Aufklärung. Und da die vegane Szene auf eine sehr eigene Art anfällig und an vielen Stellen offen ist für reaktionäre Strömungen, braucht es hier ein zielgerichtetes Engagement. Die Tierrechtsszene im enegeren Sinne war immer Angriffspunkt für rechte Unterwanderung. Wir enagegieren uns gegen reaktionäre Tendenzen, egal ob sie in der veganen Szene Raum greifen oder außerhalb. Unser journalistischer Fokus liegt in der veganen Szene.

      • Polly

        Ich wollte damit auch eigentlich zum Ausdruck bringen, dass es sowas wie „die vegane Szene“, von der ihr ständig redet, im Grunde nicht gibt. Ich bin schon so lange Veganerin und habe mich damit nie als Teil einer geschlossenen Gemeinschaft gefühlt, weil nämlich andere Dinge wie Esoterik, politische oder religiöse Überzeugungen, kultureller Background etc. viel dominanter sind als die Tatsache, dass man VeganerIn ist.
        Ich persönlich will weder mit Querfrontlern, noch mit Rechten, Linksextremen, Esoterikern, Verschwörungsideologen,… in einen Topf geworfen werden, nur weil es in all diesen Gruppen (prominentere) VeganerInnen gibt. Auch soll der Veganismus nicht als „Spinnerei“ abgetan werden, weil das z.B. so „Esoterikerkram“ wäre, wie manche vielleicht meinen, weil Veganismus unter Esoterikern recht verbreitet ist. Ich denke, um das zu vermeiden ist es wichtig, den Menschen klar zu machen, dass Veganismus zwar für sich alleine steht, aber andere Überzeugungen dabei nicht ersetzt. Eine vegane Lebenseinstellung exisitert neben andern Einstellungen und wird dann auch meistens im Rahmen dieser anderen Überzeugungen gelebt. Und deswegen gehört man eben NICHT plötzlich einer „veganen Szene“ an, wenn man sich für eine vegane Lebensweise entschieden hat. Aber vielleicht hättet ihr das gerne so?

        • Indyvegan

          „Und deswegen gehört man eben NICHT plötzlich einer “veganen Szene” an“

          Das haben wir nie behauptet. Vielleicht hilft es, wenn du dich mit dem Szene-Begriff auseinandersetzt und deine Aussagen dann nochmal kritisch hinterfragst.

  2. Peter

    Also bitte, wenn ihr als Beleg für Patriks Nähe zur Querfront den Umstand verwendet, dass er euch nicht aufgefordert hat, falsche Aussagen richtig zu stellen, zu belegen oder zu entfernen, dann ist euch echt nicht mehr zu helfen. Wer genau seid ihr denn, dass man/frau in einen Diskurs mit euch einzutreten hat, wenn ihr irgendwo irgendwas daherschreibt? Wenn mich in irgendeinem Medium irgendwer als Nazi oder sonstwas beschimpft und ich fordere ihn nicht auf, das richtig zu stellen, zu belegen oder zu entfernen, dann ist das euerer verqueren Sicht zufolge Beleg dafür, dass ich tatsächlich Nazi oder sonstwas bin. Meine Güte, auf welchem Niveau seid ihr denn unterwegs? Schon mal auf die Idee gekommen, dass mancher Anwurf derart unterirdisch ist, dass man/frau einfach keine Lust hat oder keinen Zweck darin sieht, weiter darauf einzugehen? Am wenigsten dann, wenn der jeweilige Anwurf anonym irgendwo ins Netz gekübelt werde? Patrik muß euch weder zu irgendwas auffordern, noch muß er euch irgendwas erklären. Ihr selbst müsst euere Anwürfe belegen, und das nicht damit, dass Patrik sich nicht in einer Weise dagegen verwahrt hat, wie ihr es ihm vorzuschreiben versucht.

    • Indyvegan

      „Also bitte, wenn ihr als Beleg für Patriks Nähe zur Querfront den Umstand verwendet, dass er euch nicht aufgefordert hat, falsche Aussagen richtig zu stellen, zu belegen oder zu entfernen, dann ist euch echt nicht mehr zu helfen.“

      Diesen Zusammenhang stellst du her und nicht wir. Wir haben die Tatsache, dass er uns nicht zu Änderungen oder Löschungen aufgefordert hat, an keiner Stelle als Beleg für seine Querfront-Nähe genutzt. Wenn du mit uns diskutieren willst, wäre es hilfreich, wenn du dich auf Dinge beziehst, die wir gesagt haben.

      „Wer genau seid ihr denn, dass man/frau in einen Diskurs mit euch einzutreten hat, wenn ihr irgendwo irgendwas daherschreibt?“

      Wir haben nicht „irgendwas“ geschrieben, sondern über Vorgänge berichtet, die wir umfassend belegt haben. Wenn Patrik Baboumian an diesen belegten Behauptungen Zweifel hat oder die Belege anwzeifelt, dann muss er das sehr wohl klar benennen und im Zweifel belegen können. Das hat er nicht getan. Wir haben unsere Pflicht getan, indem wir die Behauptungen in unseren Beiträgen belegen. Wenn du eine falsche Behauptung findest, kannst du uns gern darauf hinweisen. In deinem Kommentar konnten wir einen solchen Hinweis nicht finden.

      „Wenn mich in irgendeinem Medium irgendwer als Nazi oder sonstwas beschimpft und ich fordere ihn nicht auf, das richtig zu stellen, zu belegen oder zu entfernen, dann ist das euerer verqueren Sicht zufolge Beleg dafür, dass ich tatsächlich Nazi oder sonstwas bin.“

      Wir haben Patrik Baboumian nicht als „Nazi“ bezeichnet. Zudem haben wir die Tatsache, dass er keinerlei Maßnahmen ergriffen hat, um etwas korrigieren zu lassen und die Tatsache, dass er die „Lügen“, die unser Beitrag angeblich enthalte, nicht benannt hat, lediglich angeführt, um aufzuzeigen, dass wir uns zwar der rechtlichen Handhabe entziehen, aber wir immer offen waren, falsche Behauptungen aus unseren Artikeln zu entfernen. Ein Beleg für eine politische Haltung haben wir daraus an keiner Stelle abgeleitet.

      „Schon mal auf die Idee gekommen, dass mancher Anwurf derart unterirdisch ist, dass man/frau einfach keine Lust hat oder keinen Zweck darin sieht, weiter darauf einzugehen?“

      Nein, auf die Idee sind wir tatsächlich nicht gekommen, weil wir unsere Beiträge sauber recherchieren und sehr bedacht darauf sind, nur Dinge zu behaupten, die wir belegen können.

      „Ihr selbst müsst euere Anwürfe belegen“

      Genau das haben wir getan. Wenn du eine Behauptung findest, die aus deiner Sicht nicht belegt oder falsch ist, kannst du uns gern darauf aufmerksam machen.

  3. Polly

    Danke für den Hinweis. Dann habe ich ein Problem mit dem Begriff „Szene“, den wohl nicht nur ich als negativ empfinde. Freunde von mir, die vegan sind, würden ebensowenig wie ich von sich behaupten, in einer/einem veganen Szene, Gemeinschaft, Netzwerk, Subkultur oder Milieu zu sein. Diese Art der Abgenzung von der übrigen Menschheit hilft uns auch wirklich nicht weiter.

    • Indyvegan

      Ein Szenebegriff dient nicht der Abgrenzung, sondern der fokussierten Betrachtung. Menschen die sich aktiv mit einer Szene identifizieren, nutzen diesen manchmal auch als Abgrenzungsbegriff. Zur Beschreibung von spezifischen Problemen und Dynamiken ist der Szenebegriff sehr hilfreich. Dass die vegane Szene besonders anfällig ist für reaktionäre Ideologien hat sehr verschiedene Gründe, die sich über die unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Szene wie auch über die unterschiedlichen Motive derselben erklären lassen. Auch die Gesamtdynamik zwischen den einzelnen Gruppen spielt dabei eine Rolle.

      Es steht ja jeder*jedem frei, sich explizit nicht unter einem Szenebegriff fassen zu lassen. Für die Betrachtung ist das jedoch zweitrangig. Weil die Handlungen der Personen relevanter sind als ihre Ab- oder Zuneigung zu einem Begriff. Und wenn sich Menschen zu einem gemeinsamen Thema in unterschiedlichen Gruppen/Initiativen vernetzen, kommunizieren, spezifische Themen, Codes, Veranstaltungen, Medien und Werte haben, dann macht eine gemeinsame Betrachtung durchaus Sinn. Auch dann wenn diese Gruppierungen sich in einzelnen dieser Aspekte zum Teil grundlegend unterscheiden.

  4. Michael Schulz

    Also ich habe nur etwa die Hälfte durchgelesen, bin jedoch sicher, dass auch danach nichts Substanzielles mehr kam. Ich kenne fast alle der oben genannten Personen persönlich näher (außer Patrick) und es bricht mir einmal wieder das Herz, was da für ein Müll (das einzig zutreffende Wort) über sie verbreitet wird.
    Keine der Personen ist ansatzweise rechts oder antisemitisch. Auch bei den Mahnwachen gibt es keinerlei solche Tendenzen (mehr).
    Lars (Märholz) regt mich manchmal selber auf, aber es stimmt einfach nicht, dass er irgendwelche rechten oder antisemitischen Tendenzen hat; ganz im Gegenteil. Kilez More hielt ich früher auch für einen Verschwörungstheoretiiker, aber im persönlichen Kontakt habe ich ihn als durchaus sehr informierten bzw. überraschend differenziert denkenden Menschen kennengelernt. Besonders leid tut es mir für Marsili und Maren, oder auch für Ken (Jebsen). Egal mit welchen tollen Quellen ihr einmal wieder irgendwelche Behauptungen belegen wollt: Jeder, der die Leute persönlich näher kennt, empfindet das als lächerlich.
    Übrigens ganz schön großkotzig zu verlangen, dass Laien, die alle etwas anderes zu tun haben, das alles aufarbeiten- und sich dann brav melden sollen, falls ihnen etwas nicht passt. Setzt Euch gefälligst selber vorher damit auseinander, bevor ihr rufschädigendes Zeug in die Welt setzt. Ich könnte noch einiges dazu sagen, oder jetzt eine große Diskussion anfangen … aber es interessiert mich eigentlich gar nicht, was irgendwelche selbstgefälligen *********** dazu noch meinen. **********, ihr.

    • Indyvegan

      Lieber Michael,
      zunächst einmal ist es keine besonders sinnvolle Ausgangsposition, einen Artikel zu beurteilen, den man nicht gelesen hat. Aber schauen wir uns deine Punkte mal an:

      Welche Relevanz hat es, eine Person persönlich zu kennen, wenn man konkrete, nachweislich gemachte Aussagen einer öffentlichen Person öffentlich kritiseren will?

      „Keine der Personen ist ansatzweise rechts oder antisemitisch.“

      Dass Semael Nahash Karzinger nachweislich rechte Ideologien vertritt, haben wir bereits dargelegt. Wir haben über keine weitere Person behauptet, dass sie „rechts“ sei. Wir haben drei Rechtspopulisten als die bezeichnet die sie sind. Wir haben weder Kilez More, Morgaine, Lea Frings, Marsili Cronberg noch Patrik Baboumian als „rechts“ bezeichnet. Wenn wir das doch irgendwo getan haben, kannst du uns gern darauf hinweisen. Ansonsten ist das wohl ein Strohmannargument.

      Um festzustellen, wie verschwörungsideologisch und antisemitisch Kilez More ist, empfehlen wir dir ein Studium seiner Texte. Wenn du dich über den Antisemitismus von Lars Mährholz informieren willst, schau dir dieses Interview mit ihm an, recherchiere auf seiner Seite. Dass Patrik Baboumian auf der Veranstaltung dieses antisemitischen Verschwörungsideologen aufgetreten ist und die antisemitischen Aussagen Ken Jebsens verteidigt hat, haben wir in unserem Artikel belegt. Und mehr haben wir auch nicht behauptet.

      Wenn du mit uns über unsere Artikel diskutieren willst, wäre es allgemein hilfreich, wenn du Dinge kritisierst, die wir behauptet haben. Und wenn du der Meinung bist, dass diese Behauptung falsch oder nicht hinreichend belegt ist, kannst das auch sagen.

      „Kilez More hielt ich früher auch für einen Verschwörungstheoretiiker, aber im persönlichen Kontakt habe ich ihn als durchaus sehr informierten bzw. überraschend differenziert denkenden Menschen kennengelernt.“

      Seine Songs sind verschwörungsideologisch und antisemitisch. Dabei spielt es keine Rolle, ob er privat ganz nett sei oder nach deiner persönlichen Erfahrung „informiert und überraschend differenziert“. Man gewinnt wirklich den Eindruck, dass du seine Texte nicht kennst.

      „Besonders leid tut es mir für Marsili und Maren, oder auch für Ken (Jebsen).“

      Was tut dir leid? Dass sie mit reaktionären Kräften zusammenarbeiten? Dass Ken Jebsen sich in den letzten 2 Jahren zu einem verschwörungsideologischen, völkischen Rechtspopulisten entwickelt hat? Das tut uns auch leid.

      „Übrigens ganz schön großkotzig zu verlangen, dass Laien, die alle etwas anderes zu tun haben, das alles aufarbeiten- und sich dann brav melden sollen, falls ihnen etwas nicht passt. Setzt Euch gefälligst selber vorher damit auseinander, bevor ihr rufschädigendes Zeug in die Welt setzt.“

      Mache dir mal keine Sorgen. Wir prüfen unsere Quellen alle sorgfältig und recherchieren alles ordentlich, bevor wir es in die Welt setzen. Unsere Anmerkung, dass man uns auf Falschbehauptungen hinweisen könnte, trägt der Tatsache Rechnung, dass wir auch nicht perfekt sind, und dass auch bei gewissenhafter Recherche Fehler passieren können. Du hast einigermaßen viel Text geschrieben aber keine einzige falsche Behauptung benannt. Dann haben wir wohl alles richtig gemacht.

      Wenn du deinen nächsten Kommentar nicht ohne Beleidigungen hinbekommst, werden wir dich in den Spamordner verfrachten. Danke.

  5. alex

    Ich habe selten etwas möchtegern-linkes gelesen wie das, was hier geschrieben wurde. Wo ist Lars Mährholz bitte ein „Verschwörungsideologe“? Seit wann ist Morgaine auch noch ein Nazi? Lasst die Leute reden und falls euch das, was sie sagen nicht gefällt, sagt, was euch inhaltlich nicht passt und kommt nicht mit so platten „nazitheoretischem“ Schmarren. Ich dachte immer Deutschland wäre ein Land mit Redefreiheit.
    Wann hat Ken bitte etwas gesagt, was auch nur in irgendeiner Weise antisemistisch oder nationalsozialistisch gewesen ist.
    Danke im Vorraus für eine Antwort.
    #GoVegan

    • Indyvegan

      Lieber Alex, du stellst deinem Kommentar die Wertung voran und zeigst direkt danach in deinen Fragen, dass du offenbar gar nicht im Bilde bist, was die betreffenden Personen angeht. Es bietet sich immer an, erst Fragen zu stellen, den Sachverhalt zu verstehen und dann zu werten.

      „Wo ist Lars Mährholz bitte ein “Verschwörungsideologe”?“

      Wie nennst du jemanden, der daran glaubt, dass die FED für so ziemlich alle Kriege der letzten 100 Jahre verantwortlich ist, der Reichsbürgerideologie anhängt, Geschichtsrevisionismus betreibt, an Chemtrails sowie an die umfassende Steuerung der Medien durch die USA (manchmal auch die Nato) glaubt? Wir nennen so jemanden einen Verschwörungsideologen.

      „Seit wann ist Morgaine auch noch ein Nazi?“

      Das haben wir an keiner Stelle behauptet. Weshalb wir auch nicht darauf eingehen.

      „Ich dachte immer Deutschland wäre ein Land mit Redefreiheit.“

      Richtig, und genau deshalb genießen auch wir die Freiheit, dies zu tun.

      „Wann hat Ken bitte etwas gesagt, was auch nur in irgendeiner Weise antisemistisch oder nationalsozialistisch gewesen ist.“

      Er hat das hier gesagt. Und gegenüber Spiegel TV hat er dann vergessen, dass er es gesagt hat. Diese Aussagen (wie auch weitere von ihm) sind nicht nur „in irgendeiner Weise“ antisemitisch, sondern klar antisemitisch. Dass er sich „nationalsozialistisch“ geäußert habe, haben wir auch an keiner Stelle geschrieben. Daher gehen wir hier auch darauf nicht ein.

      Es wäre allgemein hilfreich, wenn du dich in deinen Rückfragen auf Aussagen beziehen könntest, die wir so auch gemacht haben.

      „Lasst die Leute reden“

      Wir sehen nicht, an welcher Stelle wir irgendwem das Wort verboten haben. Was mit einem Artikel auf einer Website auch nicht mal theoretisch möglich wäre. Wir kritisieren rechte Ideologien und Querfronten.

  6. Maria

    Ich finde diese schwarz-weiß Malerei echt schrecklich. Nur weil man den USA und Israel ein Fehlverhalten unterstellt und den Russen mal etwas Positives zutraut, ist man gleich rechts, Antiamerikanist und Antizionist.

    Es sind Personen die einfach mal eine andere Sichtweise vertreten und die wenigsten Montagsdemonstranten hatten rechtes Gedankengut. Klar springen da einige wirkliche Nazihohlköpfe mit auf den Zug auf. Aber seien wir doch bitte mal ehrlich, die USA fliegt Drohnenangriffe aus Deutschland und töten dort Frauen und Kinder (was sicher nicht mit unserer Verfassung in Einklang ist), Israel hat auch schon einen Genozid im Libanon begangen. Das sind Fakten, nicht mehr und nicht weniger. Hierbei geht es aber um die politischen Drahtzieher, deswegen ist doch nicht der Jude oder Amerikaner „gut oder schlecht“ aber man muss doch trotz unserer unrühmlichen Vergangenheit über solche Themen im Rahmen der Meinungsfreiheit diskutieren dürfen oder? Den Holocaust zu verleugnen ist natürlich eine andere Sache…
    Ich bin auch der Meinung dass solche Argumente gerne verwendet werden um Bewegungen die unser derzeitiges politisches System in Frage stellen gleich im Keim zu ersticken.
    Wirklich Rechte Personen habe aber natürlich kein Recht darauf ihren geistigen Dünnschiß zu verbreiten, man sollte eben nur genau differenzieren wer ein Nazi ist und wer einfach etwas Systemkritisch denkt. Denn unser System kann so wie es ist nicht fortbestehen (Tierhaltung, Umweltverschmutzung, Kriegen, von denen wirklich nur sehr wenige Menschen je profitiert haben, etc.)

    Also bitte nicht immer alles nachplappern was die Medien uns schon vorgekaut haben sonder sich selbst eine Meinung bilden und auch bei etablierten Medien kritisch bleiben, die predigen auch nicht immer die reine Wahrheit 😉

    • Indyvegan

      Maria, es wäre hilfreich, wenn du unseren Beitrag konret kritisierst und das anhand dessen begründest was wir sagen und nicht aufgrund dessen, was du dir selbst ausdenkst. Wir haben nirgends schwarz-weiß gemalt. Und wir haben niemanden dafür kritisiert, dass er*sie Kritik an der Politik von Regierungen übt. Deine hier beschriebene Sicht auf die Querfrontbewegung ignoriert einige Fakten, die auch in unseren Beiträgen dokumentiert und benannt sind. Antisemitische Verschwörungsideologien sind innerhalb der Mahnwachen genauso verbreitet und auf Bühnen wie auch im Publikum zu finden, wie Reichsbürgerideologien und sonstige reaktionäre Ideologien.

      „Israel hat auch schon einen Genozid im Libanon begangen.“

      Diese Behauptung ist nachweislich falsch. http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Sabra_und_Schatila

      „Hierbei geht es aber um die politischen Drahtzieher, deswegen ist doch nicht der Jude oder Amerikaner “gut oder schlecht” aber man muss doch trotz unserer unrühmlichen Vergangenheit über solche Themen im Rahmen der Meinungsfreiheit diskutieren dürfen oder?“

      Wir verstehen nicht, aus welcher Stelle unseres Artikels du herausliest, dass man nicht kritisch üeber politische Themen sprechen dürfe, und dass das in irgendeiner Weise mit der eigenen Herkunft in Verbindungen stehen sollte.

      „Ich bin auch der Meinung dass solche Argumente gerne verwendet werden um Bewegungen die unser derzeitiges politisches System in Frage stellen gleich im Keim zu ersticken.“

      Das ist eine Verschwörungsthese. Wer soll das denn bitte wollen? Wir? Wir sind sehr dafür, systemkritische Fragen zu stellen und entsprechende Diskussionen zu führen. Um das zu tun braucht es aber weder VErschwörungsideologien, noch Populismus und noch weniger eine Querfront.

      „man sollte eben nur genau differenzieren wer ein Nazi ist und wer einfach etwas Systemkritisch denkt.“

      Genau das tun wir. Wenn du findest, dass wir das irgendwo nicht tun, zeige uns bitte auf, wo. Zudem problematisieren wir die Querfront sowie Verschwörungsideologien als solche. Jemand wie Ken Jebsen ist kein Nazi, aber eben ein rechtspopulistischer, verschwörungsideologischer Antisemit. Reaktionäre Ideolog*innen werden nicht erst dann problematisch, wenn man ihnen legitim das Label „Nazi“ ausstellen kann. Das sollte auch beim Lesen unserer Artikel deutlich werden. Die wenigsten Menschen die wir begründet kritisieren, bezeichnen wir als „Nazis“.

      „Also bitte nicht immer alles nachplappern was die Medien uns schon vorgekaut haben“

      Aus welcher unserer Ausführungen nimmst du die dreiste, implizite Unterstellung, wie würden nur etwas „nachplappern“ und wären unkritisch was etablierte Medien angeht? Wo in unseren Artikeln stehen falsche Behauptungen?

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